München – Das ist ja schnell mal passiert in diesen Tagen, dass das Bier aus dem Maßkrug schwappt, ein Batzen Kartoffelsalat durch die Luft fliegt, einen ein Hendl touchiert und auf einmal das schöne Trachtenhemd nicht mehr blütenweiß ist. Gefahr zum Auftakt der Wiesn! Die Eishockeyspieler des EHC München sind ihr entgangen, nichts befleckt ihr Gewand. Dem 7:2-Streich vom Freitag bei Meister Mannheim ließen sie am Sonntag im ersten Heimspiel, das in die diesjährige Oktoberfestzeit fällt, einen 4:2 (1:0, 2:2, 1:0)-Sieg über die Eisbären Berlin folgen. Münchner Bilanz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach vier Spieltagen: lauter glatte Siege, zwölf Punkte, das Maximale, Platz eins. Der unbefleckte EHC.
Traditionell wurde gestern das aktuelle Wiesn-Playmate vorstellig und vollführte den symbolischen Puckeinwurf. Die Überraschung dabei: Dass da auf Berliner Seite nicht Florian Kettemer stand. Der gehört als Verteidiger zwar nicht ans Anspiel, doch in seinen Münchner Jahren hatte er sich dieses Einmal-in-der-Saison-Vergnügen nicht nehmen lassen. Mit Berlin aber keine Faxen, die Eisbären gingen die Partie spürbar ernst an. Was schon diese Bilanz zeigte: Im ersten Drittel feuerten sie 24 Schüsse auf EHC-Torhüter Kevin Reich ab, eine ungewöhnlich hohe Quote. Nur treffsicher waren sie vor 4280 Zuschauern nicht. Zwar versenkte Neuzugang Leo Pföderl (Nürnberg) die Scheibe im Münchner Tor, jedoch mit hohem Stock, und das ist nicht erlaubt. Kein Tor. Dazu kamen im Verlauf des Nachmittags zwei Stangenschüsse.
Was beim EHC München gut funktionierte: das Überzahlspiel. 1:0 (Abeltshauser, 3.), 2:0 (Voakes, 25.) und 3:1 (Gogulla, 27.) wurden mit je einem Mann mehr erzielt. „Jeder weiß, wie wichtig Powerplay-Situationen sind“, sagte der Schütze des dritten Tores im Drittelpausen-Interview bei MagentaSport. Beim vierten Münchner Tor (Ehliz, 43.) war die Überzahl gerade fünf Sekunden vorbei. Quote am Ende: 42,86 Prozent – Powerplay-Feiertag.
Die Eisbären. die diese Saison nicht zum Favoritenkreis zählen, waren ein widerspenstiger Kontrahent. Mit einem interessanten jungen Spieler: Lukas Reichel, Rosenheimer, Sohn des früheren deutschen Nationalspielers Martin Reichel und Neffe des Ex-NHL-Stars Robert Reichel, trägt noch Gitter am Helm, er ist 17 und sogar noch fünf Monate jünger als die ausgewiesenen Supertalente John-Jason Peterka vom EHC und Tim Stützle von den Adlern Mannheim. Peterka und Reichel auf dem Eis – in München waren am Sonntag gleich sechs Scouts aus der nordamerikanischen NHL zugegen. Reichel wurde sogar im Powerplay eingesetzt und bekam mehr Auszeit als einige der Importspieler in seinem kanadisch geprägten Team.
Die Herren Talentspäher bekamen also was geboten – und vielleicht waren sie hinterher noch beim Erkunden bayerischer Lebensart ein paar Kilometer weiter.