München – Wer besonders sensibel ist, hat es im Profi-Fußball nicht immer leicht. Das bekam Philippe Coutinho in seiner Karriere schon ein paar Mal zu spüren. Hochbegabung hin oder her. Er ist das, was man einen Wohlfühlspieler nennt. Einer, der das Vertrauen und die Zuneigung der Mannschaft und des Vereins-Umfeldes spüren muss, um auf dem Platz zeigen zu können, wozu er als Ballkünstler fähig ist. So gesehen hat Robert Lewandowski am Samstag einen wichtigen Beitrag zur Integration des Brasilianers beim FC Bayern geleistet.
Der Pole hat sich ja in seinen bislang fünf Jahren in München nicht unbedingt den Ruf erworben, Kollegen generös Tore zu überlassen. Aber beim 4:0 gegen den 1. FC Köln entdeckte er seine soziale Ader, als er nach einer Stunde nicht selbst zum Elfmeter antrat, als Bayern-Strafstoß-Schütze Nummer eins, sondern den Ball Coutinho übergab, der zuvor gefoult worden war.
„Es war der Moment, in dem man etwas verschenken kann“, sagte Lewandowski – womöglich deshalb, weil er selbst in diesem Spiel bereits zweimal getroffen hatte. „Da fällt es leichter“, sagte Joshua Kimmich im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF und war sich sicher: „Wenn er noch keines gehabt hätte, hätte er wahrscheinlich selbst geschossen.“ Der Brasilianer nannte es später „eine unglaubliche Geste“. Schließlich hätte Lewandowski „einen Hattrick machen können, aber er hat mir die Chance gegeben, mein erstes Tor zu erzielen.“ Dieser Premierentreffer im Münchner Trikot, wusste der polnische Stürmer, sei für Coutinho „auch wichtig“ gewesen. „Jetzt gehört er richtig zu Bayern München.“
Während die Leihgabe vom FC Barcelona auf dem besten Weg ist, die hohen Ansprüche in München zu erfüllen und sich langsam seiner Bestform zu nähern scheint, ist Lewandowski bereits dabei, sich ein Denkmal zu setzen beim deutschen Rekordmeister. Neun Tore in den ersten fünf Partien war bisher in der Bundesliga-Geschichte nur einem Spieler gelungen: dem Gladbacher Peer Meyer 1967. Hinzu kommen je ein Treffer in der Champions League gegen Belgrad und im DFB-Pokal gegen Cottbus. Macht er so weiter, ist der bisher scheinbar unerreichbare Rekord von 40 Toren von Gerd Müller aus dem Spieljahr 1971/72 in Gefahr. „Das ist noch zu früh“, sagte Lewandowski dazu.
Auf jeden Fall kann er sich seit Samstag der Unterstützung von Coutinho auf dem Weg zu neuen Bestmarken sicher sein. „Er ist eine sehr nette Person, ein unglaublicher Stürmer“, sagte der 27-Jährige über den an diesem Tag ganz selbstlosen Kollegen – und versprach diesem: „Ich werde mich mit vielen Vorlagen revanchieren.“ Der Elfmeter-Verzicht könnte sich also für Lewandowski noch auszahlen.