„Coman kann der neue Ribery werden“

von Redaktion

Ex-Profi Bixente Lizarazu über Franzosen beim FC Bayern und seinen Entdecker Beckenbauer

München – Er öffnete den Franzosen beim FC Bayern die Tür. Bixente Lizarazu, 49, spielte mit kurzer Unterbrechung von 1997 bis 2006 für den Rekordmeister – und er war der Erste aus seinem Land, der in München eine Ära prägte. Zur Wiesn kehrte Lizarazu jetzt mit anderen Clublegenden auf Besuch nach München zurück.

Sie haben ihre Karriere 2006 beendet. Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Ich arbeite für den französischen Fernsehsender TF1, kommentiere die Spiele der Nationalmannschaft. Ich arbeite zudem für RTL-Radio, habe sogar meine eigene Sendung „Le Club Liza“. Und ich schreibe Kolumnen für die „L’Equipe“. Ich liebe es einfach, über Fußball zu reden.

Treiben Sie noch Sport?

Zuhause im Baskenland mache ich Jiu-Jitsu, gehe Surfen oder Skifahren. Jeden dritten Tag fahre ich hundert Kilometer mit dem Rad. Ich bin wieder fit.

Wieder?

Ich hatte Ende Februar einen Unfall. Beim Surfen bin ich in einer Drei-Meter-Welle auf den Rücken gefallen und habe mir eine Sehne im Oberschenkel gerissen. Ich war fünf Sekunden bewusstlos, bin sofort operiert worden. Vor zwei Monaten habe ich mich auch wieder aufs Surfbrett gewagt. Ich hatte keine Angst, aber die kommt bei den großen Wellen im Winter vielleicht noch (lacht).

Reden wir über den FC Bayern: Dort gibt es aktuell eine richtige French Connection.

Jean-Pierre Papin war der erste Franzose, er ist aber nur zwei Jahre in München geblieben. Ich war also der erste, der länger geblieben ist. Zu meiner Zeit kam auch Willy Sagnol. Danach kam natürlich noch Franck Ribéry.

Franzosen in München: Wieso passt das so gut?

Bisher hatte der Verein mit französischen Spielern großen Erfolg, und auch für die Franzosen ist es etwas Tolles, in München zu spielen. Für mich war es damals wie die Mondlandung: Ich war (fast) der Erste.

Welche Rolle spielt Frankreichs Weltmeistertitel?

Ich bin 1998 auch Weltmeister geworden. Die europäischen Vereine haben damals genau nach Frankreich geschaut und die gute Ausbildung der Talente gesehen. So ist es jetzt wieder. Die jungen Spieler sind technisch und physisch stark, lernen schnell und können verschiedene Stile spielen.

Einer von ihnen ist Kingsley Coman. Wird er der neue Ribery?

Das ist ein großer Schritt. Aber warum soll er das nicht schaffen können? Franck hatte eine fantastische Zeit beim FC Bayern. Das Schwierige ist, über so einen langen Zeitraum Erfolg zu haben. Kingsley hat große Qualitäten – vor allem Tempo und Dribbling. Ich hoffe für den FC Bayern und die französische Auswahl, dass er der neue Ribery wird. Wir in Frankreich haben auf einen Spieler wie ihn gewartet, der den linken offensiven Part spielen kann.

Was denken Sie über Lucas Hernandez?

Er hat großes Potenzial, ist ein sehr guter linker Verteidiger. Bei Bayern erwarte ich ihn hauptsächlich in der Innenverteidigung. Aber besonders auf der Außenposition hat er großes Potenzial, weil er gut in Defensive und Offensive ist.

Er hat 80 Millionen Euro gekostet. Verrückt?

Natürlich ist die Summe verrückt. Er ist meinem Stil schon sehr ähnlich. Es war für mich immer wichtig, gut zu verteidigen und gut anzugreifen. Hernandez ist genauso ein Typ. Aber der Preis? Wenn ich an mich denke, dann war ich sehr günstig. Wie teuer war ich?

Umgerechnet 4,5 Millionen Euro.

Oh, dann war ich wahrscheinlich die beste Investition, die Bayern je getätigt hat (lacht). Uli Hoeneß hat ein super Geschäft gemacht.

Was würden Sie heute kosten?

Wahrscheinlich wäre ich unbezahlbar (lacht).

Sie haben sich vor einiger Zeit kritisch über Benjamin Pavard geäußert und gesagt, er müsse sich steigern.

Es war gar nicht kritisch gemeint. Ich habe nur gesagt, dass der Schritt von Stuttgart zu Bayern sehr groß ist. Er hat eine sehr gute WM gespielt, hatte danach bei Stuttgart keine einfache Zeit. Ich bin sicher, dass er aus dieser Zeit gelernt hat. Er ist ein intelligenter Spieler mit Demut, der viel arbeitet

Wie wird Corentin Tolisso in Frankreich gesehen?

Er ist ein sehr guter Spieler. Aus zwei Gründen: Er hat die Aggressivität im Zweikampf und ist torgefährlich. Es gibt nicht so viele Mittelfeldspieler, die diese Aspekte drauf haben. Ich glaube, wir haben noch nicht das volle Potential von Tolisso gesehen.

Was ist mit Michael Cuisance?

Über ihn kann ich nicht so viel sagen. Man kennt ihn in Frankreich noch nicht so gut.

Uli Hoeneß tritt im November als Präsident ab.

Er war immer eine der wichtigsten Personen im Club. Bayern ist in seinem Blut. Genauso bei Franz Beckenbauer. Er hat damals gesagt: ‚Ihr müsst Liza holen.’

Beckenbauer hat Sie geholt?

Ja. Wir haben mit Bordeaux im UEFA-Cup-Finale 1996 gegen Bayern gespielt. Franz war Trainer. Und er hat gesagt: Diesen Typen müsst ihr zu Bayern holen. Ich muss sagen: Danke, Franz!

Interview: Jonas Austerman

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