Mönchengladbach – Nach jedem Spiel erhält Marcus Thuram einen wichtigen Anruf – von seinem Vater. Lilian Thuram sagt dem Sohn stets ziemlich schonungslos, wie dieser sich bei Borussia Mönchengladbach geschlagen hat. Das Urteil hat Gewicht, immerhin ist der Papa 1998 mit Frankreich Weltmeister geworden.
Am Sonntagabend gab es zu Kritik allerdings wenig Anlass. Marcus Thuram kam als bescheidener Matchwinner aus der Kabine. „Ich war nicht der wichtigste Spieler“, sagte er nach dem 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf, „am wichtigsten ist das Team.“
Das jedoch hätte drei Tage nach der 0:4-Schmach gegen Wolfsberg in der Europa League erneut dumm dagestanden, wäre Thuram nicht zum Super-Joker geworden. Mit seinen ersten Bundesligatoren drehte er das Spiel und schwenkte anschließend die Eckfahne, an der er sein Trikot aufgehängt hatte.
Dabei entsprach dieser Anfall von Extrovertiertheit nicht dem Bild, das Thuram später abgab. Sachlich und ruhig kommentierte er seinen ersten großen Auftritt in Gladbach. „Ja, es war ein besonderer Tag, weil ich getroffen habe. Aber hätten wir nicht gewonnen, wäre das wertlos“, sagte der 22-Jährige.
Kurz nach seiner Einwechslung traf er zum ersten Mal, drei Minuten vor dem Abpfiff dann noch einmal. Es ließ erahnen, dass die etwa neun Millionen Euro Ablöse an Guingamp gut angelegtes Geld sind. Der Jubel war nach der schwierigen Woche bei allen Mitspielern gewaltig – eine Erlösung. sid