Tennis und der Laver Cup

Öffnet Eure Herzen!

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Zur menschlichen Natur gehört es, neuen Sachen erst einmal skeptisch gegenüber zu treten. Althergebrachte Gewohnheiten versprechen Orientierung in einer sich immer schneller drehenden Welt.

So blickte ich auch auf den Laver Cup – ein von Roger Federers Vermarktungsagentur „Team8“ initiierter Tennis-Teamevent, bei dem Spieler aus Europa gegen Spieler aus dem Rest der Welt antreten. Tennis als Mannschaftssport? Tennis-Topstars sind gigantische Ich-AGs. Ein Stab an Mitarbeitern richtet sich nur nach den Bedürfnissen der Hochbegabten. Soll man Rafael Nadal oder Roger Federer da wirklich abnehmen, dass sie auf der Bank mit Alexander Zverev oder Dominic Thiem genauso mitfiebern, als stünden sie in einem Grand-Slam-Finale selber auf dem Platz? Eine gezielte Überdramatisierung für den globalen Werbeeffekt ist zumindest nicht auszuschließen.

Und bei allem mit viel Pathos demonstrierten Teamgeist: Ein Einsatz beim Laver Cup lohnt sich vor allem finanziell. Sechsstellige Antrittsgelder und eine Prämie von 250 000 Euro pro Spieler nehmen die Sieger vom Team Europa mit nach Hause. Ein lukrativer Rudel-Jubel.

Der sportliche Wert bleibt dagegen überschaubar. Beim Laver Cup werden keine ATP-Punkte für die Weltrangliste vergeben. Noch kurioser: Ein Sieg am Freitag zählt weniger als ein Sieg am Sonntag – nur damit der Vergleich über das Wochenende nicht seine Spannung verliert.

Zu nörgeln gibt es also noch einiges an der als Pedant zum Ryder Cup im Golf angedachten Veranstaltung. Aber trotz aller Marketing-Penetration ist eine Tatsache nicht zu leugnen: Die Stimmung in der Halle war atemberaubend. Die Zuschauer haben die drei Tage in Genf genossen, und die Spieler auf dem Platz zeigten ihr bestes Tennis – egal ob im Einzel oder Doppel. Daher sollte man dem Wettbewerb eine faire Chance geben. Nächstes Jahr in Boston findet erst die vierte Auflage des Laver Cups statt. Auch der Ryder Cup wurde zum Start in den 1920ern zunächst heftig kritisiert.

Mit ein paar formalen Korrekturen und etwas weniger künstlich produzierten Emotionen hat der Laver Cup das Potenzial, sich zu etablieren und vielleicht schon in zehn Jahren als althergebrachte Gewohnheit in die Tennis-Herzen einzuziehen.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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