München – Die Fachwelt erwartet für die Saison 2019/20 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einen Zweikampf an der Spitze: Meister Mannheim gegen Vize München. Doch nach vier Spieltagen liegt eine kleine Welt zwischen den beiden Alphatieren der Liga. Der EHC München: Erster, er hat noch keinen Punkt abgegeben und die beste Tordifferenz (16.:7), er bestimmt seine Spiele. Die Adler Mannheim: Siebter, bereits sechs Punkte weg, toremäßig gar in den Miesen (12:14) und in seinem Spiel panisch anmutend: Am Sonntag in Bremerhaven lag man bereits 0:3 hinten, gewann aber noch nach Penaltyschießen (5:4).
Vor allem jedoch steht zwischen München und Mannheim das Ergebnis vom Freitag, vom 3. Spieltag. Mannheim – München 2:7. In den Final-Playoffs hatten sich die Adler in fünf Partien durchgesetzt (4:1), sie beherrschten damals im April den EHC.
Was bedeutet nun dieses jüngste Ergebnis? Yannic Seidenberg beurteilt es zurückhaltend, der Verteidiger des EHC hat auch lange genug für die Adler gespielt. Er sagt: „Das Spiel war knapper, als das Ergebnis es vermuten lässt. Unser 5:2 war ins leere Tor, unsere beiden weiteren Treffer fielen, weil Mannheim das Spiel schon abgehakt hatte.“ Bereinigt ergibt sich ein 4:2 für München – bei etwa gleichen Spielanteilen („Wir haben unsere Chancen genutzt“). Als Ansage will Seidenberg das Resultat also nicht bewerten: „Es ist ja auch nur eines von 52 Spielen in der Saison und eines von vier in der Hauptrunde.“
Aber natürlich hat der EHC es gerne angenommen. In den ersten vier Spielen war das Programm auch anspruchsvoll. Augsburg (2:1 für den EHC) war renitenter Widersacher im vorjährigen Halbfinale, das über sieben Runden ging, die Eisbären Berlin, die man am Sonntag 4:2 besiegte, hatten den EHC im Viertelfinale über sechs Spiele beschäftigt. Düsseldorf (Münchner 3:2-Erfolg am zweiten Spieltag) war 2018/19 etliche Wochen vor dem EHC in der Tabelle gestanden. Und Mannheim ist 2019/20 noch etwas mehr Meisterschaftsfavorit als die Münchner. Experten sagten außerdem, die Adler seien personell noch stärker geworden.
Im Moment sind sie es nicht. Wunder-Verteidiger Moritz Seider, 18, gedraftet von den Detroit Red Wings, wird nicht nach Mannheim zurückkehren, sondern in Nordamerika spielen – in der NHL oder im Farmteam. Lean Bergmann, 20, steht noch auf der bei der DEL eingereichten Kaderliste, der Stürmer ist derzeit jedoch im Rookie-Camp der San Jose Sharks und noch nicht aussortiert worden; seine NHL-Chancen steigen. Markus Eisenschmid fehlt den Adlern noch wegen einer Schulterverletzung von der WM.
Der Notplan: Tobias Rieder holen. Der 26-Jährige aus Landshut, von Edmonton nicht weiterverpflichtet, bemüht sich um einen Vertrag mit Calgary. Sollte daraus nichts werden, haben die Adler ihr Interesse hinterlegt. Der EHC München hat sie unter Druck gesetzt.