Der Gegen-DFB

von Redaktion

Es gibt in Deutschland einen zweiten Fußballverband: Die COF spricht vor allem die Basis an

VON GÜNTER KLEIN

München – Am Freitag hält der Deutsche Fußball-Bund in Frankfurt seinen Bundestag ab, Rene Jacobi aus Leipzig wird die Veranstaltung aus der Ferne verfolgen. Und sich bestätigt sehen, wenn das DFB-Plenum alles absegnet. Dass der Freiburger Fritz Keller zum Präsidenten gewählt wird – eh klar, es gibt keinen Gegenkandidaten. Doch müssen auch bei allen Punkten, die besprochen werden, alle Abstimmungskärtchen hochgehen wie synchronisiert? „Ich kann mir“, sagt Jacobi, „kein Thema vorstellen, „zu dem 250 Leute, die aus allen Teilen des Landes zusammen kommen, die gleiche Meinung haben.“

Aber der DFB sei immer auf Einstimmigkeit aus. Und darauf, dass es pro Posten nur einen Kandidaten gibt. Nichts gegen den Herrn Keller – „aber es wurde nur mit ihm geredet, mit keinem anderen“. Die interessierte Düsseldorferin Ute Groth habe sich gar nicht offiziell bewerben können., sie wurde nicht gehört.

Rene Jacobi ist Fußballmensch durch und durch, doch er hat seine Konsequenzen gezogen, dass der DFB so ist, wie er ist. Er geht noch einen Schritt weiter als Engelbert Kupka, der frühere SpVgg-Unterhaching-Präsident, mit dem er sich „hin- und herschreibt“ und der glaubt, man könne im großen Verband durch eine unbequeme Haltung etwas zugunsten der Basis verändern. Rene Jacobi hat im Jahr 2018 einfach einen neuen Verband gegründet, einen Gegen-DFB, die COF. Die Buchstaben stehen für Confederation of Football.

„Zweieinhalb Jahre waren es von der Idee zur Gründung“, sagt Jacobi, von Beruf Unternehmensberater für Kundenservice-Organisationen. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat bei ihm, als ein D-Jugend-Spieler aus seiner Region sich vor dem Verbandssportgericht verantworten musste, weil er ohne Einhaltung der vorgegebenen Fristen zwischen Teams innerhalb des Vereins hin- und hergewechselt war. „Er wollte nur aushelfen – und sollte dafür bestraft werden“, sagt Jacobi. „Wir sind doch nicht im Profifußball.“

Bundesliga, 2. und 3. Liga interessierten Jacobi und die COF nicht. Zielgruppe sind die Amateure. Ihnen will der neue Verband, der in Leipzig sitzt, wo auch der DFB gegründet wurde, helfen. Mit weniger Verwaltung, mit Senkung der Kosten („Teams in der untersten Klasse müssen an die 2000 Euro bezahlen und wissen nicht, wofür“), mit einheitlichen Regeln („Hat der DFB mit 21 Landes- und fünf Regionalverbänden nicht“), mit einem unkomplizierteren Pass- und einem anders organisierten Schiedsrichterwesen.

„Warum sollen die Vereine die Schiedsrichter stellen?“, fragt der COF-Präsident, „ein Club auf dem Dorf wird sich schwertun, Leute zu finden, die Schiedsrichter werden wollen, in einer Stadt wie Leipzig dagegen ist es viel leichter.“ Der Verband soll die Schiedsrichter dann verteilen. Im Übrigen sei das in allen europäischen Ländern außer Deutschland so üblich,

Im Schiedsrichterwesen ist die COF schon sehr aktiv, doch um richtig sichtbar zu werden, braucht sie einen Spielbetrieb. „Beim DFB war es nicht so, dass er nach der Gründung im Jahr 1900 bereits 1901 seine erste Meisterschaft hatte. Es hat ein paar Jahre gedauert. Wir wollen in der Saison 21/22 unsere erste eigene Liga haben.“ Vermutlich im Nachwuchsbereich.

Der DFB ignoriert die COF mit ihrem überschaubaren Mitgliederstamm von bislang 35 Einzelpersonen, die ersten Aktionen gegen den Verbandsneuling gehen vom Fußball-Verband der Stadt Leipzig aus. Die Vereine werden gewarnt, sich mit der COF in irgendeiner Form einzulassen. Es geht um die Monopolstellung des DFB, der sich als Vertreter von sieben Millionen Menschen sieht.

Die Confederation of Football will größer werden. Aber langsam. „Mein Albtraum wäre es, eines Morgens aufzuwachen und tausend neue Mitglieder zu haben“, sagt Rene Jacobi. Mit jemandem, der Mitglied werden und sich einbringen wolle („Bei uns muss man schon anpacken“), finde ein Initialgespräch statt, das eineinhalb Stunden dauert, „wir wollen bewusst langsam wachsen, denn wenn wir scheitern würden, hätten es andere, die es nach uns versuchen, schwerer. Man würde sagen: ,Da waren schon mal welche, und es hat nicht geklappt.’“

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