Am Anfang eines jeden Bauvorhabens stehen Spatenstich und Grundsteinlegung. Für die DFB-Akademie hatte sich das Reinhard Grindel einmal so vorgestellt: Die Zukunft des Verbandes wollte er im Juni 2018 einleiten mit einem feierlichen Akt, im Beisein des kompletten Nationalmannschaftskaders, der sich nach einem kurzen Zuprosten aufmacht zur WM nach Russland und dort seinen Titel verteidigt. Deutschland, der Serien-Champion, dank wissenschaftlicher Ausrichtung auf Jahre hinaus unschlagbar. Es ist dann anders gekommen. Wie das so ist: Kein Bau ohne späteren Beginn, und so ist die Zeit auch an Grindel vorbeigezogen. Er hat seinen Lackschuh nicht mehr auf die Schaufel setzen können. Denn als auf dem Gelände der ehemaligen Galopprennbahn alles geregelt war, hatte der Opportunist Grindel seine Präsidentschaft verwirkt. Bei der gestrigen Grundsteinlegung konnte der DFB nur seine beiden Interimspräsidenten Reiner Koch und Reinhard Rauball aufbieten, einen richtigen Präsidenten wird er erst heute wieder bekommen, wenn der DFB-Bundestag den Freiburger Winzer Fritz Keller wählen wird.
Bei der Grundsteinlegung werden ja auch immer die tagesaktuellen Zeitungen mit in der Erde versenkt. In vielen finden sich Vorschauen auf den Bundestag, Porträts von Fritz Keller, der den Laden DFB reformieren soll. Es wird in den kritischen Blättern allerdings auch die Frage gestellt, ob ihm das gelingen wird, weil sein Amt ein kleineres sein soll als das seines Vorgängers Grindel, der noch weitgehende Befugnisse hatte und den DFB auch in den internationalen Gremien vertrat.
Gegen die Person Fritz Keller hat kaum jemand was einzuwenden, doch daran, dass der DFB wirklich eine Strukturreform vollzieht, glauben wenige. Ein paar Teilbereiche in eine GmbH auszugliedern, das kann’s noch nicht sein. Dass sich der Verband aber professionalisieren muss, das unterstreicht in aller Dringlichkeit der Bau der Akademie. Ein Großprojekt, an dem die Zukunft des DFB hängt. Es darf nicht in den Kontext irgendwelcher Mauscheleien geraten.
Fertig werden soll der mächtige Bau in zwei Jahren. Angela Merkel hat Chancen, dass das gerade noch so in ihre letzte Kanzlerschaft fallen und sie auch diesem Festakt wird beiwohnen können. Fritz Keller bleibt zu wünschen, dass er in zwei Jahren ein DFB-Präsident sein wird, über den man sagt, mit ihm hätten sich Hoffnungen erfüllt.
Guenter.Klein@ovb.net