Der mit dem Ball tanzt

von Redaktion

Top-Auftritt in Paderborn: Coutinho gibt dem Spiel der Bayern etwas, was bislang fehlte

Paderborn – Ob Philippe Coutinho schon einmal zuvor von Paderborn gehört hatte, ist nicht überliefert. Spätestens seit Samstag aber kennt die brasilianische Leihgabe des FC Barcelona die Stadt in Ostwestfalen. Er wird Paderborn in guter Erinnerung behalten – als einen Ort, an dem ihm ein imposanter Auftritt gelang. Der 27-Jährige lieferte beim 3:2-Sieg der Bayern gegen den SC einen weiteren Beweis dafür, was für ein feiner Fußballer ist.

Nachdem Coutinho in der Vorwoche gegen Köln noch das Elfmeter-Geschenk von Robert Lewandowski benötigte, um sein Münchner Torkonto zu eröffnen, schlug er in Paderborn aus dem laufenden Spiel heraus zu. Diesmal hatte er sich einen neuen Partner ausgesucht: Serge Gnabry. Erst setzte Coutinho den deutschen Nationalspieler mit einem Traumpass in Szene – 1:0 (15.). Dann revanchierte sich Gnabry mit der Vorlage zum zweiten Bayern-Treffer (55.).

Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic schwärmte: „Philippe ist für die Jungs ein sehr angenehmer Mannschaftskollege, er hat überhaupt keine Star-Allüren. Er ist ein super Junge, der alle respektiert und sehr demütig ist.“ Zur sportlichen Darbietung des Brasilianers sagte Salihamidzic: „Ich weiß nicht, ob es besser als in der ersten Halbzeit geht – wie er den Ball behandelt, wie er sich bewegt. Trotzdem hat er noch Luft nach oben. Wenn er noch ein paar Wochen in den Beinen hat, wird er noch besser.“ Das darf die Bayern-Konkurrenz durchaus als Drohung verstehen.

Schon früh in der Saison zeigt sich, dass Coutinho voraussichtlich kein zweiter James Rodriguez wird. Der Kolumbianer, für zwei Spielzeiten von Real Madrid ausgeliehen, ähnelt dem Brasilianer auf den ersten Blick. Doch James schaffte es – trotz teilweise glänzender Leistungen – eben nicht, sich dauerhaft einen Stammplatz beim FC Bayern zu erkämpfen. Zu ähnlich war er Mittelfeld-Dirigent Thiago, kam lieber aus der Tiefe, anstatt eine feste Position im Offensivzentrum zu besetzen. Coutinho hingegen gibt dem Bayern-Spiel etwas, was bisher fehlte: Der quirlige Dribbler positioniert sich bedeutend weiter vorne, nutzt kleinste Lücken, setzt seine Mitspieler in vollem Tempo ein. All das sorgte auf den Rängen des Paderborner Stadions für ein regelmäßiges Raunen – so einen Kicker sehen sie hier nicht oft.

Bayern-Coach Niko Kovac erklärte: „Das sieht teilweise aus wie Tanzen mit dem Ball. Er weiß immer, was er wie wo wann mit dem Ball machen muss.“ Der einzige Leidtragende der Liaison zwischen Bayern und Coutinho ist Thomas Müller, 30. Er drückte zuletzt drei Mal in Folge die Bank, kam in diesen Partien nur auf 36 Minuten. Noch nimmt der ehemalige Nationalspieler das sportlich. Salihamidzic: „Er geht damit richtig gut um, ist ein Vollprofi.“ JONAS AUSTERMANN

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