Doha – Christoph Harting schien nach seinem WM-Debakel ziemlich gute Laune zu haben. Jedenfalls schlenderte der Diskus-Olympiasieger trotz seines frühen Scheiterns grinsend durch die Mixed-Zone in Doha und gab dann mit betont freundlichem Tonfall ein kurzes Statement ab. „Vielen Dank für das Interesse an meiner Person, ich bleibe aber meinem Weg treu: Ich gebe bis zum Abschluss der olympischen Saison keine Interviews und bedanke mich für Ihr Verständnis“, sagte Harting, nachdem er mit seinen schwachen 63,08 m in der Qualifikation im Gegensatz zu Martin Wierig (Magdeburg/63,65) keine Chance auf das heutige Finale hatte: „Schönen Feierabend.“
Und so blieb die große Frage unbeantwortet, was bloß mit Harting los ist. Seit seinem Triumph 2016 in Rio steckt der Berliner in der Dauerkrise. Für die WM 2017 in London konnte sich der 29-Jährige nicht mal qualifizieren. Bei der Heim-EM im Vorjahr in Berlin schaffte der Polizeimeister keinen gültigen Versuch. Jetzt der kraftlose Auftritt im Khalifa-Stadion. DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska zeigte sich überrascht: „Er hat ansteigende Form gehabt. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass er hier in Richtung Bestleistung werfen kann“
Dabei hatte Harting schon davon schwadroniert, in Tokio wieder Gold zu holen und den alten Weltrekord (74,08 m) brechen zu wollen. In Doha fehlten Harting zum Weltrekord elf Meter. Viel weiter können Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinanderklaffen .sid