FC Schalke 04
Deutscher Meister wird der FC Schalke 04 eh nie, deswegen konnte der derzeit in Folge seines Rassismus-Skandals pausierende Big Boss Clemens Tönnies dem ehemaligen Sky-Reporter Rollo Fuhrmann auch versprechen, dass er, wenn der Titel zu feiern wäre, die Schale übergeben dürfe. Die Älteren wissen noch: 2001 hatte Fuhrmann, damals noch im Parkstadion, aufgrund einer Fehlinformation die Schalker Meisterschaft ausgerufen (die Freude hielt sich drei Minuten, dann war doch wieder der FC Bayern oben).
Vor zwei Jahren berauschte sich Schalke an der Vizemeisterschaft und seinem jungen Wundertrainer Domenico Tedesco, und nun ist Königsblau erneut auf Höhenflug. Der 3:1-Sieg in Leipzig hievt Schalke in die Spitzengruppe. Die Fans fahren auf Trainer David Wagner ab, der wiederum begeistert ist von seiner Mannschaft: „Das sind Laktat-Junkies“, sagte er angesichts der Teamlaufleistung von 124,5 Kilometer, dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Datenerfassung (2011). Dazu kamen einige Fabelparaden von Torhüter Alexander Nübel.
Wagner neigt zum Pathos: „Für solche Nachmittage wurde das Wort Stolz erfunden.“ Er will jedoch auch vernünftig bleiben. Leute, die nun erwarten, Schalke werde richtig oben mitspielen, möchte er „Tabletten geben“.
Mönchengladbach
Am Samstag in der ARD-Sportschau schon wieder die übliche Geschichte: Sie kennen Marcus Thuram noch nicht? Aber sicher haben Sie schon von Lilian Thuram gehört. Weltmeister mit Frankreich 1998. Marcus ist der Sohn. Thuram junior.
Mönchengladbach holte den 22-jährigen Stürmer zu Beginn dieser Saison aus Guingamp. Trainer Marco Rose gab ihm einen Stammplatz – aber Thuram lieferte nicht so richtig. Am 5. Spieltag setzte Rose Thuram auf die Bank, nach der Einwechslung dann zwei Tore. Da musste er natürlich zurück in die erste Elf und dankte es beim 3:0 in Hoffenheim mit starker Leistung und einem weiteren Treffer. Bald wird man über Lilian Thuram sagen, er sei der Vater des berühmten Bundesliga-Torjägers Marcus Thuram.
Gladbach hat jedenfalls den neuen Bullen-Sturm der Liga: Thuram, Alassane Plea und Breel Embolo treten die Nachfolge des Frankfurter Dreigestirns Jovic/Rebic/Haller an, das die Eintracht nicht halten konnte.
TSG Hoffenheim
7o Tore erzielte die TSG vergangene Saison, sie garantierte Offensivrausch. Der Preis dafür war ihre Defensivschlamperei. Die glanzvolle Ära von Trainer Julian Nagelsmann endete mit dem Verpassen eines internationalen Wettbewerbs. Die Statistiken belegten: In dieser Endabrechnung musste sich der Kraichgau-Club unter Wert einreihen.
Unter dem Niederländer Alfred Schreuder ist Hoffenheim ein graumäusiges Team geworden. Dabei sollte der frühere Nagelsmann-Assistent den Nagelsmann-Fußball weiterentwickeln. Doch mit vier Toren nach sechs Spielen ist die TSG das angriffsschwächste Team der Liga.
Ist es eine konzeptionelle Krise – oder einfach eine vorübergehende personelle? Tatsache ist, dass die kreativsten Mittelfeldkräfte (Demirbay, Amiri) an Leverkusen verkauft wurden und mit Adam Szalai (Mainz) ein solider Sturm-Backup kurz vor Transferschluss ging. Der Kroate Kramaric wird nach einer OP noch einige Zeit fehlen, auch Belfodil ist verletzt, und der Däne Robert Skov wird derzeit als linker Verteidiger gebraucht. Den Sturm beim 0:3 gegen Gladbach bildeten Kaderabek (Mittelfeldspieler), Bebou (mit Hannover abgestiegen) und Christoph Baumgartner (Mittelfeldmann, 20, kaum Bundesligaerfahrung).
Nächstes Hoffenheim-Spiel: bei den Bayern.
Bayer Leverkusen
Florian Niederlechner, Stürmer (und diesmal Eigentorschütze) des FC Augsburg, sagte: „Leverkusen hat eine brutale Ballsicherheit.“ Martin Schmidt, Trainer des 0:3 abgewatschten FCA, erkannte: „Es ist bei Bayer immer Druck auf dem Ball. Man hat gegen die gar keine Zeit.“ Nicht umsonst sei Leverkusen „in der Bundesliga die Nummer eins im Ballbesitz. Ein Team wie wir muss damit rechnen, dass Leverkusen mindestens 70 Prozent haben wird.“ Schlimmer ist es gegen den FC Bayern auch nicht.
Ballbesitzfußball ist gegen den Trend, in Deutschland regiert das Umschaltspiel. Umso bewundernswerter, dass Bayer unter Peter Bosz sich dem dominanten, schönen Spiel verpflichtet fühlt. Auch am Dienstag bei Juventus Turin? Gegen Cristiano Ronaldo muss die 1:2-Heimblamage zum Königsklassen-Start (Lok Moskau) ausgeglichen werden. „Dieses Spiel“, verspricht Nadiem Amiri, „wird geil für ganz Deutschland“. Es wird auf die Ballbesitzwerte achten. GÜNTER KLEIN