London – Robert Lewandowski oder Harry Kane – wer ist der bessere Stürmer? Die beiden Superstars stehen heute Abend im Champions-League-Spiel Tottenham Hotspur gegen den FC Bayern im Fokus. Der 31 Jahre alte Lewandowski ist der überragende Spieler der Münchner in der bisherigen Saison, der fünf Jahre jüngere Engländer dominiert beim Vorjahres-Finalisten. „Das sind vielleicht die beiden besten Mittelstürmer der Welt im Moment. Jeder ist für seine Mannschaft fast überlebensnotwendig“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug nach London.
Harry Kane ist besser in die Saison gestartet als sein Londoner Club. Der Blondschopf traf in sieben Premier-League-Spielen fünf Mal, zudem erzielte er beim 2:2 in der Königsklasse gegen Piräus ein Elfmetertor . Damit sorgte er schon wieder für ein Drittel aller Spurs-Tore. „Kane ist ein Topspieler. Es ist nicht einfach, ihn auszuschalten“, weiß Rummenigge.
Doch das war nicht immer so. Kane kickte in der Jugend unter anderem für den FC Arsenal und den FC Watford, wechselte mit elf Jahren aber bereits in Tottenhams Nachwuchs. 2011 folgte dann der Schritt in den Profibereich, bei den Spurs fasste der großgewachsene Angreifer zunächst allerdings nicht Fuß. Stattdessen ereilte Kane das Schicksal vieler englischer Talente: Er wurde immer wieder ausgeliehen. Nach Stationen bei Leyton Orient, FC Millwall, Norwich City und Leicester City schaffte Kane in der Saison 2014/2015 schließlich doch noch den Durchbruch bei seinem Jugendclub. Mittlerweile ist er auch bei den Three Lions eine feste Größe und Kapitän, schoss in 41 Länderspielen 26 Tore. Bei der WM 2018 führte er England als bester Torschütze des Turniers (sechs Treffer) bis in Halbfinale.
Für Bayern-Legende Giovane Elber steht trotzdem fest, dass es Kane nicht mit seinem Münchner Pendant aufnehmen kann. „Er ist kein Schlechter, mit Lewandowski aber nicht zu vergleichen. Robert ist für mich der komplettere Stürmer“, sagte der frühere Bayern-Angreifer. Vermutlich setzt Kane alles daran, heute Abend den Gegenbeweis anzutreten.
Ob er eine Chance hat gegen Robert Lewandowski? Der Münchner Torjäger traf in den ersten sechs Bundesligaspielen historische zehn Mal. Außerdem erzielte der Pole jeweils ein Tor in der Champions League und im DFB-Pokal. Elber schwärmt von seinem (indirekten) Nachfolger. „Es gibt viele gute Mittelstürmer auf der Welt, aber derzeit steht Lewandowski ganz vorne“, sagte der Brasilianer.
Und bei der Trainings- und Arbeitsmoral des 31-Jährigen ist ein Ende der Erfolgsgeschichte nicht in Sicht. „Lewy ist sehr ehrgeizig, will immer noch mehr – mehr Titel, mehr Tore. Wenn er nicht trifft, ist er sauer“, sagt Elber – und blickt ein bisschen neidisch auf die perfekte Athletik von Lewandowski: „Sein Körper ist ein Traum für mich, den hätte ich früher gerne gehabt.“
Ein weiterer Erfolgsfaktor bei Lewandowski: Ende August verlängerte der Ex-Dortmunder seinen Vertrag in München vorzeitig bis 2023. Elber: „Gott sei Dank. Jetzt hat er den Kopf frei, kann nur an den FC Bayern denken.“ In den Vorjahren hatte Lewandowski immer wieder mal mit dem Gedanken gespielt, vielleicht doch noch nach Spanien zu gehen. Jetzt weiß auch er: Den großen Traum vom Champions-League-Titel muss er sich in München erfüllen. Doch gerade in der Königsklasse ist Lewandowskinicht immer so eiskalt wie üblich. Seit dem 5:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Besiktas im Februar 2018 blieb er in K.o.-Partien ganze sieben Mal ohne Tor. Gut also, dass noch Gruppenphase ist.