München feiert seine „Young Guns“

von Redaktion

Daubner wirbelt, Schütz hat Defensivspiel gelernt, Peterka geht nur online zur Schule

VON GÜNTER KLEIN

München – Es war kein Moment, der das Spiel gegen Nürnberg, das der EHC München 4:1 gewann, entschied – aber er sorgte für Stimmung. Erstes Drittel, noch 0:0, München muss Unterzahl spielen. Das übernehmen unter anderem Maxi Daubner, 22. und Justin Schütz, 19, und sie sind so flott unterwegs, dass die Nürnberger ins Schleudern kommen. Fast hätten Daubner und Schütz ein Tor erzielt. Die Geschichte aber war ja vor allem, dass sie dem „Special Team“ fürs Penalty-Killing angehörten. „Das ist schön, wenn einem der Trainer das Vertrauen schenkt“, meinte Daubner. Über- und Unterzahlspiel sind normal Aufgaben, die erfahrene Mitspieler übernehmen – und ein Indiz, wie jemand in der Hierarchie positioniert ist.

Daubner und Schütz haben in dieser Saison meist mit dem Jüngsten eine Reihe gebildet, mit John-Jason Peterka, dem 17-Jährigen. Gegen Nürnberg musste Trainer Don Jackson umstellen. Nach der Verletzung von Derek Roy (genauere Untersuchung heute) und der Sperre für Mark Voakes (zwei Spiele für einen Check gegen den Kopf) fehlte es an Mittelstürmern, Jackson musste Yasin Ehliz, einen klassischen Flügelspieler, bitten, als Center einzuspringen, was der – bis auf die Bullys, die er mehrheitlich verlor – gut machte. „Dass wir ohne Derek und Mark so gewinnen“, meinte Jackson, „ist bemerkenswert“.

Die Jungen sind, anders als vergangene Saison, aber nicht mehr auf Ausfälle des Establishments angewiesen, um zu Eiszeit zu kommen. „Die haben einen Antritt, da muss man schauen, dass man mitkommt“, sagt Yannic Seidenberg, der Mittdreißiger. Der EHC feiert seine Jugend, Fans verkaufen Buttons mit Peterka/Schütz und dem Slogan „Young Guns“. Wie aus dem Film.

Maxi Daubner überzeugt seinen Trainer damit, dass er sich in den Kader einfügt („Ich spiele, wo er mich hinstellt“). Justin Schütz gehörte 2018/19 schon kurz zum Profiteam, ehe er bei einem Spiel in Augsburg am Knie verletzt wurde und den Rest der Saison gehandicapt spielte. „Wir haben ihn letztes Jahr nicht oft gesehen“, sagt Jackson. Doch ihm ist nicht entgangen, dass der bereits im Sommer 2018 von der NHL (Florida Panthers, 6. Runde) gedraftete Schütz im Development Camp seines vielleicht künftigen Arbeitgebers Fortschritte gemacht hat: „Da wird fast alles abgedeckt. Vor allem defensiv hat er gewonnen.“

Peterka hat bereits drei Tore erzielt in seinen sechs DEL-Spielen. Der 17-Jährige kann sich voll auf Eishockey in München konzentrieren, obwohl er auch noch aufs Gymnasium geht. Aber nur virtuell. „Ich mache Online-Abitur in Hamburg, naturwissenschaftlicher Zweig, Physik, Chemie. Hefte und Aufgaben bekomme ich zugeschickt, nur zur Prüfung in zwei Jahren muss ich rauf“, sagt er. Täglicher Aufwand: zwei Stunden. Nach dem Training.

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