München – Seinen ersten Wurf für seinen neuen Verein zirkelte DeMarcus Nelson an die Ringkante, aber was änderte das schon. Es kamen ja gleich zwei andere Basketballer des FC Bayern angeflogen: Von der linken Seite Paul Zipser, 2,03 Meter groß, und aus der Mitte Leon Radosevic, 2,08, der den Ball dann in den Ring hineinstupste. Natürlich hatten auch die Verteidiger aus Hamburg versucht, den Ball zu berühren, doch so hoch wie Zipser und Radosevic kamen sie einfach nicht. Und als Nelson, der neue Spielmacher der Bayern, mit dem letzten Wurf des ersten Viertels dann auch selbst zum 23:7 traf, war schon zu erahnen, was auf die Hamburger zukommt.
In seinem ersten Saisonspiel in der Bundesliga hat der FC Bayern, der Meister, die Hamburg Towers, den Aufsteiger, gestern Abend 111:55 (58:17) besiegt. Und die etwa 5700 Zuschauer in der Münchner Halle sahen ein Basketballspiel, wie man es in dieser Bundesliga-Saison vermutlich immer wieder erleben wird, wenn der Meister daran beteiligt ist. Die Bayern sind ihren Rivalen in der heimischen Liga davongeeilt, ganz besonders jenen, die finanziell und strukturell so aufgestellt sind wie die Hamburger. Man kann das auf einen Vergleich herunterbrechen, der vielleicht nicht ganz fair, aber doch ziemlich treffend ist: Den Towers, hört man, stehen für diese Saison etwa fünf Millionen Euro zur Verfügung. Der neue Bayern-Center Greg Monroe, im Sommer frisch aus der NBA nach München gekommen, hat in zwölf Spielzeiten in der amerikanischen Superliga alleine 69,9 Millionen Euro verdient.
Dieser Monroe musste gestern nicht alles zeigen, was in ihm steckt. Er schnappte sich hin und wieder einen Ball im Gerangel unter dem Korb, ein Talent, das man in München sehr an ihm schätzt. Er sammelte letztlich 18 Punkte und 10 Rebounds, ein vielversprechender Anfang. So wie überhaupt alles, was seine Mannschaft gegen die überforderten Hamburger zeigte. Schon zur Halbzeit führten die Bayern 58:17. Es war fast so, als hätten sie sich mit einem betrunkenen Wiesn-Besucher auf das berühmte Teufelsrad gesetzt. Wenn sich das Spiel einmal schnell drehte, verloren die Hamburger sofort die Kontrolle.
Natürlich ist ihr Kader nicht gemacht, um es mit den Bayern aufzunehmen. Dem jungen Power Forward Marvin Ogunsipe, für ein Jahr von München nach Hamburg verliehen, fehlte die Körperkraft, dem erfahrenen Point Guard Heiko Schaffartzik, bis Spätsommer ein bayerischer Trainingsgast, fehlte das Tempo. Und so war spätestens in der Halbzeitpause die spannendste Frage des Abends, welche Lieder die Münchner Band Moop Mama hinterher bei ihrem Konzert in der Halle spielen würde.
In diesem Spiel führten die Bayern Hamburg vor – und ihren Zuschauern führten sie auf, auf welch hohem Niveau sie verlässlich spielen können. Beim Flügelspieler und Finals-MVP Nihad Djedovic zum Beispiel ist in letzter Zeit auffallend oft darauf hingewiesen worden, dass er ja aussieht wie Zlatan Ibrahimovic (übrigens auch vom FC Bayern). Auf dem Feld traf er gestern sofort zwei Dreipunktewürfe, als müsste er daran erinnern, was er, Nihad Djedovic, so draufhat. Er erzielte 20 Punkte, mehr als jeder andere Spieler an diesem Abend. Auch die Nationalspieler Paul Zipser (17 Punkte) und Danilo Barthel (16) und punkteten zweistellig.
Nun stellt sich nach diesem sehr einseitigen Abend freilich die Frage, wie gut diese Bayern wirklich schon sind. Einen belastbaren Hinweis könnte es am Donnerstag geben. Dann empfangen sie in der Euroleague Olimpia Mailand.