Gnabry vernascht Tottenham

von Redaktion

Viererpack bei Bayerns 7:2-Spektakel – auch Lewandowski trifft doppelt

VON AMELIE SCHNEEMEIER

London – „Very british“, das klingt ja doch sehr abgedroschen. Aber wenn man am Dienstagabend in den Londoner Himmel blickte, dann passte das Klischee einfach. Um zu übersetzen: Es schiffte und schiffte über dem imposanten Tottenham Hotspur Stadion beim Gastspiel des FC Bayern. Zu Heulen aber war in dieser unterhaltsamen Partie, dem zweiten Spieltag der Gruppe B, nur dem Himmel zumute. Am Ende gewannen die Bayern mit 7:2 (2:1) gegen den Vorjahresfinalisten – und können von sich behaupten, auch international konkurrenzfähig zu sein.

Der Sieg war hochverdient, weil die Mannschaft von Trainer Niko Kovac stets erst in den richtigen Momenten konterte und dann richtig aufdrehte. Der frühen Führung durch Heung-min Son (12.) folgte keine 200 Sekunden später der Ausgleich durch Joshua Kimmich (15.). Die Führung stellte Robert Lewandowski (45.) kurz vor dem Halbzeitpfiff her, nachdem die Spurs eine halbe Stunde lang vor heimischem Publikum dominant waren. Der Viererpack von Serge Gnabry (53./55./83./88.) sowie ein weiterer Treffer von Lewandowski (87.) machte den Sieg zu einem, der ein Statement war, obwohl Kane (61.) noch per Elfmeter traf.

London ist ja ein bekanntes Pflaster für die Bayern, gefühlt gehören zum Königsklassen-Programm seit Jahren Duelle mit dem FC Arsenal. Tottenham aber war eine andere Nummer, ein Spiel, auf das alle irgendwie hingefiebert hatten. Dass man unbedingt gewinnen wolle, hatte Kovac schon vor der Partie in die Mikrofone posaunt, und somit auch gleich seine Aufstellung erklärt. Neben Dauer-Bankgast Thomas Müller musste diesmal Thiago Platz nehmen. Für ihn stand Corentin Tolisso neben Joshua Kimmich vor der Abwehr, Kovac nannte das „die offensive Variante“. Zudem kam David Alaba nach zweiwöchiger Pause zurück und ersetze passenderweise den nun angeschlagenen Lucas Hernandez auf der linken Abwehrposition. Allzu lange stand er nicht auf dem Platz, weil er in der Anfangsphase übel erwischt wurde. Zur Halbzeit kam Thiago.

Bis dahin war aber ohnehin schon viel passiert, denn diese erste Hälfte hatte es in sich gehabt. Von einer Krise war beim Tabellensechsten der Premier League zunächst kaum etwas zu spüren, die Elf von Mauricio Pochettino schaltete schnell um und wurde immer wieder gefährlich. Der ersten Chance durch Gnabry – pariert von Hugo Lloris – folgten gleich zwei durch Son, in denen Manuel Neuer sich auszeichnen konnte. Bei der dritten war der Bayern-Keeper nahezu chancenlos. Tolisso spielte in Bedrängnis einen Fehlpass, Son wurde durch Ndombele bedient und zog von der rechten Strafraumseite in die linke flache Ecke ab. Das Stadion tobte nicht allzu lange. Auf der Gegenseite nämlich nahm Kimmich den Ball nach einem missglückten Klärungsversuch an, schlug einen Haken und zirkelte ihn ins Netz. Spätestens da wusste jeder, dass dieser Abend unterhaltsam werden würde.

Tottenham wollte weiter offensiv spielen und fand oft, zu oft Lücken in der Defensive der Bayern. Harry Kane überwand fast den herausgeeilten Neuer (Alaba klärte), Ndombele und Son tauchten immer wieder gefährlich im Strafraum auf. Erst nach 30 Minuten hatten die Bayern der Physis der Gastgeber mehr entgegenzusetzen und wurden spielbestimmend. Noch vor dem Seitenwechsel schlug Lewandowski aus der Drehung von der Strafraumkante zu – ein Traumtreffer.

Bayern sortierte sich nach Alabas Ausfall neu, und zwar sehr gut. Gnabry überlief gleich die gesamte Spurs-Abwehr und krönte sein Solo, ehe er keine zwei Minuten später nach einem Ballgewinn von Tolisso wieder traf. Das Spiel aber war noch nicht vorbei: Kanes Strafstoß nach Foul von Kingsley Coman an Rose war drin und machte Tottenham kurz Mut. Neuer war zwischendurch sauer.

Ein Doppelwechsel – Perisic und Martinez für den angeschlagenen Boateng und Coman – brachte etwas Ruhe, aber Gnabry hatte noch nicht genug. Thiagos feinen langen Pass nahm der Nationalspieler sehenswert an, Lewandowski verwertete einen weiteren von Coutinho, Gnabry stellte den Endstand her. Der Herbst kann auch in München kommen. Den Bayern liegt britisches Wetter.

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