Die neue Generation dreht auf

von Redaktion

Gnabrys Sternstunde zeigt: Die jungen Bayern sind bereit für ihre eigene Ära

VON MANUEL BONKE

München – Sie sind jung, selbstbewusst, enorm ehrgeizig und haben sich geschworen, den Henkelpott demnächst wieder nach München zu holen: Joshua Kimmich (24), Niklas Süle (24), Serge Gnabry (24) und der aktuell verletzte Leon Goretzka (24) wollen mit dem FC Bayern die Champions League gewinnen. Selbst bezeichnet sich das Quartett des Jahrgangs 1995 als „Newgen“, die neue Generation also. Abwehrboss Süle hatte die Bezeichnung bereits in der vergangenen Saison eingeführt, mittlerweile ist sie ein geflügelter Begriff an der Säbener Straße. Die Botschaft, die Süle & Co. damit aussenden, ist eindeutig: Sie wollen beim FC Bayern eine Erfolgsära prägen, wie es die Helden von 2013 taten.

Dass die „Newgen“ sportlich dazu in der Lage ist, hat sie beim 7:2-Sieg gegen Tottenham Hotspur eindrucksvoll bewiesen – allen voran Serge Gnabry mit seinem Viererpack. „Nord-London ist rot“, twitterte der Ex-Profi des Tottenham-Rivalen FC Arsenal vielsagend und vor Selbstbewusstsein strotzend nach seiner Gala. Auch die Gunners spielen wie die Bayern meist in roten Trikots. Seine Tor-Explosion begründete Gnabry mit einer kleinen Motiviationsspritze seines Vaters Jean-Hermann. „Papa hatte mittags noch einmal gesagt, dass ich gut spielen muss. Das habe ich erledigt. Ich glaube, der Druck hat geholfen“, erzählte Gnabry und schwärmte: „Meine ersten vier Champions-League-Tore direkt an einem Tag zu erzielen, war natürlich grandios. Vier Tore habe ich seit der F-Jugend nicht mehr gemacht.“

So ein Torrausch ist aber auch anstrengend, wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic verriet: „Serge hat gesagt, dass er selbst nicht mehr weiß, wie er den letzten gemacht hat, weil er so müde war. Er hat einfach geschossen. Vier Tore in einer Halbzeit sind eine riesige Leistung.“ Niklas Süle zollte Gnabry auf seine ganz eigene Art und Weise Respekt für seine Leistung – in Form einer liebevolle Grätsche. Joshua Kimmich kündigte an, dass sich sein Kumpel Serge wegen seines Viererpacks einen Kuss auf die Stirn verdient habe.

Dabei hatte auch Kimmich selbst enorm großen Anteil am „historischen Tag für Bayern München“, wie Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in seiner Bankettrede schwärmte. Der Juniorchef war es, der mit einer enormen Willensleistung nach dem frühen 0:1-Rückstand mit einem gezielten Schuss für den Ausgleich sorgte. Wegen seiner Kritik nach dem Paderborn-Spiel („Wir laufen unserem Anspruch hinterher.“) stand der Mittelfeldspieler besonders im Fokus, weil Rummenigge und Salihamidzic den Youngster nach seinen markigen Worten in die Pflicht nahmen. Kimmich gab die richtige Antwort auf dem Platz, erklärte nach dem Spiel: „Ich habe mich kritisch geäußert nach dem Paderborn-Spiel, das würde ich in der Art und Weise auch wieder so tun. Auch heute war nicht alles super.“ Das sah auch Niklas Süle so. „Es gibt viele Dinge, die wir noch verbessern müssen“, sagte der Innenverteidiger, fügte jedoch an: „Aber das ist ein Spiel, das uns die nächsten Wochen tragen kann.“

Diese Aussagen zeigen, dass die „Newgen“ mit einer Zunge spricht. Kein Wunder, immerhin kennen sich Gnabry, Süle und Kimmich schon seit frühester Kindheit. Das Trio spielte in verschiedenen Landesauswahlen in Baden-Württemberg zusammen, absolvierte zahlreiche Lehrgänge gemeinsam. Kimmich und Gnabry holten 2011 mit der B-Jugend des VfB Stuttgart die Bundesliga-Meisterschaft der Staffel Süd/Südwest. Während Gnabry danach zum FC Arsenal nach England wechselte, blieb Kimmich noch zwei Jahre beim VfB, ehe ihn es zu RB Leipzig verschlug. Zu diesem Zeitpunkt kam Süle in Hoffenheim bereits zu seinen ersten Profi-Einsätzen. Bei den Lehrgängen der U 17-Nationalmannschaft war das Trio weiterhin vereint. Dort stieß auch Leon Goretzka hinzu und machte die spätere „Newgen“ komplett.

In München vereint, unternimmt das Quartett auch abseits des Platzes viel miteinander. Kürzlich ging es auf die Wiesn. Überhaupt sind alle häufig gemeinsam in der Innenstadt unterwegs. Vergangene Saison feierten sie mit den Amateuren deren Aufstieg in die Dritte Liga. Es passt aktuell nicht nur sportlich, sondern auch zwischenmenschlich beim FC Bayern.

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