Prag/Leipzig – Borussia Dortmund trat die Heimreise aus Prag mit der Hoffnung auf Ruhe an, bei RB Leipzig sah sich Trainer Julian Nagelsmann dagegen erstmals vorsichtiger Kritik ausgesetzt. Nach dem grundverschiedenen Abschneiden am zweiten Spieltag der Champions League hatten die beiden Topclubs dennoch eines gemeinsam: In der Komfortzone befindet sich derzeit weder Dortmund noch Leipzig.
„Lassen Sie es uns doch einfach mal positiv nehmen“, sagte Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl nach dem 2:0 (1:0) beim tschechischen Meister und Pokalsieger SK Slavia: „Wir haben bei einer Mannschaft gewonnen, die sehr wenige Gegentore kassiert, die Inter Mailand auswärts am Rande einer Niederlage hatte.“
Dabei hatte der BVB bekannte Schwächen offenbart. Über die Chancenverwertung, die bisweilen wacklige Abwehr oder die Angewohnheit, nach Führungen stets nachzulassen, wollte allerdings niemand reden. Wohltuend war nur der Sieg, den der BVB dem Aushilfsstürmer Achraf Hakimi verdankt und der mehr auf Arbeit denn auf Schönspielerei gründete – genau wie es Clubchef Hans-Joachim Watzke eingefordert hatte. „Warum sollen wir jetzt wieder das Haar in der Suppe suchen?“, fragte Kehl daher: „Natürlich war noch nicht alles gut. Ich würde das jetzt gerne einfach mal so sehen. Und ich hoffe, dass Sie das auch so tun.“
Sportdirektor Michael Zorc musste endlich mal nicht in den Verteidigungsmodus. „Wir sind sehr glücklich und natürlich auch erleichtert“, sagte er: „So ein Sieg ist nicht zu ersetzen.“ Julian Brandt, der in vorderster Front gespielt hatte, warnte davor, „solche Siege der Selbstverständlichkeit zuzuordnen“.
Eine Selbstverständlichkeit sind Siege auch nicht mehr bei RB Leipzig. Dass die Sachsen beim 0:2 (0:1) gegen Olympique Lyon die zweite Niederlage in Folge kassierten, lag an unerklärlichen Abwehrfehlern und der kläglichen Chancenverwertung von Torjäger Timo Werner.
Für aufkommende Kritik hatte Nagelsmann aber kein Verständnis. „Wenn die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ein Abwärtstrend ist, dann darf es gerne weiter bergab gehen“, konterte er auf Fragen zur Leistung seiner Mannschaft: „Dann werden wir die nächsten Spiele wieder gewinnen.“
Wie schon bei 1:3 gegen Schalke fehlte RB auch das nötige Glück, von der Leichtigkeit des erfolgreichen Saisonstarts war dennoch nur noch wenig zu sehen. Aber: „Wenn wir 3:0 gewinnen, was möglich war, hätte wieder jeder gesagt, wie genial wir gespielt haben“, sagte Nagelsmann. Bitter für RB: Ibrahima Konaté verletzte sich bei der Pleite gegen Lyon schwerer. Der Innenverteidiger zog sich einen Muskelfaserriss im rechten Hüftbeuger zu und fällt etwa zwei bis drei Wochen aus. sid