München – In den Reihen der Hamburg Towers wird man gestern wohl mit einigem Interesse nach München geschaut haben. Wie sind sie wirklich einzuschätzen, diese Basketballer des FC Bayern, die am Montag wie eine Dampfwalze über die bemitleidenswerten Hamburger hinweggefahren waren? Die Antwort dürfte ganz beruhigend ausgefallen sein. Sie sind halt doch schon ein Ensemble der gehobenen europäischen Klasse, diese Münchner. Eine erste Demonstration der Stärke auf europäischem Parkett haben sie zumindest schon einmal abgeliefert. Gegen Olimpia Mailand gewann das Team von Trainer Dejan Radonjic mit 78:64 (42:34). Und kann den Trip zu Titelverteidiger ZSKA Moskau am kommenden Donnerstag nun schon entspannter angehen.
Die Bayern ließen gestern vor 5700 Fans im Audi Dome, darunter auch Kicker-Sportchef Brazzo Salihamidzic und Neu-Stürmer Ivan Persisic, von Beginn an keine Zweifel daran offen, dass sie dem ansehnlichen nationalen Auftakt unbedingt auch eine erfolgreiche Premiere in Europa folgen lassen wollten. Da spielte es auch keine Rolle, dass man es mit einem Gegner zu tun bekam, der im bewegten Transfersommer ganz besonders die Muskeln hatte spielen lassen.
Mailand hatte Italiens Trainerguru Ettore Messina aus der NBA zurückbeordert (San Antonio). Und der durfte unter anderem in Sergio Rodriguez einen Weltmeister und in Luis Scola einen WM-Finalisten an Bord holen. Was dann doch einer Ansage gleichkommt: Wir wollen ran, an die großen Fleischtöpfe der Königsklasse.
Doch vielleicht war es ganz günstig, die Lombarden schon zu einem derart frühen Zeitpunkt zu treffen. Rodriguez (14 Punkte), Scola (17) & Co. ließen zwar individzell schnell ihre gewaltige Klasse aufblitzen. Als Team aber funktionierten die Bayern besser. Und das hatte noch gar nicht so viel mit der illustren Riege der Neu-Bayern zu tun. Greg Monroe etwa tat sich schwer und musste schon vor der Pause mit drei Fouls kürzer treten. Aber dafür gibt es ja die an Bord gebliebenen Meisterspieler. Vladimir Lucic etwa war so allgegenwärtig wie in den vergangenen Playoffs und war mit 18 Punkten am Ende Topscorer. Auch Maodo Lo (12) und vor allem Nihad Djedovic (16) wuselten schon wieder so durch die italienischen Reihen, wie sie das in den BBL-Finals gegen Alba Berlin getan hatte. Und vor allem im zweiten Viertel, als die Bayern auch in der Defensive ihren Rhythmus fanden, machte sich das auch auf der Anzeigetafel bemerkbar. Aus einem Punkt Rückstand zur ersten Sirene (22:23) wurde per 15:3-Lauf schnell ein zweistelliges Polster. Das war dann schon mal ein Pfund, an dem die Gäste lange zu knabbern hatten.
Und doch brachte Mailand die lange Zeit so kühl aufspielenden Bayern noch einmal aus der Spur. Zu Beginn des Schlussviertels stellte Messina seine Defensive um. Ehe die Münchner damit so recht klarkamen, war der schöne Vorsprung fast schon weg (63:60). Aber eben nur fast. Ein Kraftakt von Neu-Spielmacher DeMarcus Nelson ein zweiter von – natürlich – Vladimir Lucic wischten die größten Zweifel wieder beiseite.
Die beiden Schlussminuten wurden dann schon zu einem Schaulaufen. Nihad Djedovic setzte den Deckel drauf für den Deutschen Meister, der – so stressig ist das Leben im Spitzen-Basketball – bald schon wieder gefordert ist. Am kommenden Sonntag nämlich. Dann muss man wieder im Alltag Bundesliga bei den Frankfurt Skyliners ran.