Doha – Die Sandgrube ist ihr halbes Leben, aber Strandurlaube sind nicht ihr Ding. Malaika Mihambo rieselt es fast jeden Tag aus Klamotten und Schuhen. Die 25-Jährige von der LG Kurpfalz ist die derzeit beste Weitspringerin der Welt und Topfavoritin am Sonntag (18.15 Uhr), wenn in Doha die Medaillen in ihrer Disziplin vergeben werden. Nach der Leichtathletik-WM fliegt Mihambo vier Wochen in den Urlaub nach Thailand. Strandurlaub? Nicht schon wieder Sand! „Mal paar Stunden oder so, okay. Zehn Tage oder zwei Wochen wären – glaube ich – mein persönlicher Horror“, sagte sie. Die Frage stellt sich erst einmal nicht.
Wohin die Reise bei der WM geht? Mihambo ist in diesem Jahr bereits sechs Mal über sieben Meter geflogen. Mit ihren 7,16 von den deutschen Meisterschaften in Berlin steht sie in der Bestenliste ganz oben.
„Ich möchte bei der WM mein Bestes zeigen. Über Medaillen und Platzierungen mache ich mir keine Gedanken, auch wenn ich zurzeit so etwas wie eine Favoritin bin“, sagt Mihambo. Das Minimalziel sei eine bessere Platzierung als bisher bei internationalen Meisterschaften: Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro war sie Vierte. „Ich weiß, dass ich momentan die Stärkste bin“, sagte sie in einem am Freitag veröffentlichten Interview dem „Sportbuzzer“. Sie muss weder die viermalige Weltmeisterin Brittney Reese (USA) noch die Nigerianerin Ese Brume fürchten. Im Gegenteil, sie betont, dass sie „einen Puffer zu anderen Athletinnen“ habe.
Nach ihrem EM-Triumph 2018 in Berlin reiste die Oftersheimerin nach Indien – alleine mit dem Rucksack. Wandern, Yoga, meditieren. „Es war der beste Urlaub meines Lebens“, sagte sie mal der „Welt“. „Ich habe viel erlebt, mir viele Städte und Paläste angeschaut, war in Mumbai im Meditationszentrum, war am Meer, in den Bergen, habe eine Wüstensafari gemacht, in der Wüste unterm Sternenhimmel geschlafen und viele großartige Menschen kennengelernt.“
Mihambo ist eine Sportlerin, die in sich selbst ruht – selbst im Wettkampf. „Druck gehört nun einmal zum Spitzensport. Ich empfinde das sogar als angenehm. Ehre, wem Ehre gebührt.“ Und sie schaut weit über die Leichtathletik-Stadien dieser Welt hinaus: Sie arbeitet unter anderem in einem Sozialprojekt für Kinder mit, spielt Klavier, macht den Master in Umweltwissenschaften an einer Fern-Uni.
„Die Reisen zeigen mir noch mal eine ganz andere Sicht auf das Leben allgemein und auch auf mein Leben“, sagt die Weitspringerin. „Ich denke, gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, aus dem ganz Schnellen mal einen Schritt zurückzutreten. Dinge auch neu zu bewerten, andere Dinge kennenzulernen.“
In Katar bekommt Mihambo nicht viel mit vom Land, da steht die WM im Fokus. Aber in Thailand will sie wieder Action und Kultur haben. Ein bisschen Strand und Sand ist dann aber doch angesagt: „Ich werde schnorcheln gehen, will den Tauchschein machen, in den Bergen wandern und viel sehen und erleben.“ dpa