7,30 m – Mihambos finaler Gold-Sprung

von Redaktion

Weitspringerin siegt mit größtem Vorsprung der WM-Geschichte – Speer-Bronze für Vetter

Doha – Wahnsinns-Gold für Weitsprung-Queen Malaika Mihambo, Bronze für Speerwerfer Johannes Vetter: Nach einem Stotterstart und einer tollen Aufholjagd haben die deutschen Leichtathleten bei der WM in Doha ein furioses Finale hingelegt. Mihambo behielt an einem glänzenden Sonntag im Khalifa-Stadion die Nerven und triumphierte nach zwei Zittersprüngen am Ende noch mit der Weltklasse-Weite von 7,30 Metern.

Ich kann es selbst noch nicht fassen. Ich bin richtig glücklich“, sagte die 25-Jährige aus Oftersheim nach ihrem Triumph. Vor dem dritten Versuch sagte sie sich: „Der muss gültig sein!“ Und dann: „Das wird wohl der beste Sprung meines Lebens sein.“ Zum 31 Jahre alten deutschen Rekord von Heike Drechsler, die 1983 und 1993 triumphierte, fehlen ihr jetzt nur noch 18 Zentimeter.

Mihambo überragte mit ihrem siebten Sieben-Meter-Wettkampf in diesem Jahr alle: 38 cm Vorsprung auf die zweitplatzierte Ukrainerin Maryna Bech-Romantschuk sind der größte Vorsprung in der WM-Geschichte. Sie habe „ein absolutes Glanzlicht gesetzt mit einem sehr dominanten Wettkampf“, sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska. „Sie ist einer der Top-Performer der WM.“ Und: „Johannes Vetter hat heute eher Bronze gewonnen als Gold verloren.“

Für den Offenburger reichten 85,37 Meter nach WM-Gold 2017 diesmal nur zum dritten Platz. Das zweite WM-Gold für Grenada in der WM-Geschichte erkämpfte völlig überraschend der erst 21 Jahre alte Anderson Peters mit 86,89 Metern. Für Topfavorit Magnus Kirt aus Estland blieb mit 86,21 m die Silbermedaille. Für Olympiasieger Thomas Röhler und den deutschen Meister Andreas Hofmann war das Quali-Aus eine riesige Enttäuschung.

Zuvor hatten die deutschen Asse an den zehn Wettkampftagen nicht nur klimatisch ein Wechselbad der Gefühle durchgemacht – die Titelkämpfe im heißen Golf-Emirat Katar waren zugleich eine aufschlussreiche und warnende Generalprobe für die Olympischen Spiele in zehn Monaten in Tokio.

Die Bilanz des 71-köpfigen DLV-Teams bei der ersten WM in einem arabischen Land fiel dann doch noch versöhnlich aus: Zweimal Gold, viermal Bronze, insgesamt also sechs Medaillen können sich sehen lassen. Niklas Kaul krönte sich bei der umstrittenen Hitze-WM zum jüngsten Zehnkampf-Weltmeister der WM-Historie seit 1983.

Bronze im gut temperierten Khalifa-Stadion steuerten Vetter, Kugelstoßerin Christina Schwanitz, Hindernisläuferin Gesa Krause und Deutschlands größtes Lauftalent Konstanze Klosterhalfen zur am Ende versöhnlichen WM-Bilanz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei.

Zehn Monate vor Olympia in Tokio gab es Jubel und einige Lichtblicke, aber auch Enttäuschungen für den DLV. „Unsere Gesamtbilanz halte ich für gut durchwachsen“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing gestern – vor dem WM-Schlussakt. „Was die Medaillen angeht, sind wir im unteren Bereich unseres Erwartungskorridors.

Kessing verwies aber auch auf ein Dutzend verletzte Spitzenathleten wie den Ex-Weltmeister im Kugelstoßen, David Storl, die bei der WM fehlten. „Wenn man bedenkt, dass das Team nicht komplett war, was die Leistungsträger angeht, haben sich unsere Athleten bei der WM hervorragend geschlagen und mehr gebracht, als wir vorher erwartet haben“, sagte er.

Dass die perfekt durchchoreografierte und von unzähligen Helfern umsichtig betreute WM auch Kritik en masse provozierte, lag vor allem an den – vorher bekannten – klimatischen Bedingungen: Hitze um 40 Grad Celsius tagsüber, auch nachts noch über 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Mit großem technischen Aufwand steuerten Organisatoren und Teams dagegen. Das Khalifa-Stadion, wo bei der WM 2022 auch Fußball gespielt wird, wurde auf 25 Grad heruntergekühlt.

Die Kritik zahlreicher Athleten zielte vor allem auf die anfangs halbleeren Stadionränge und die extreme Hitze. Alles prima mit dem Klima? Weltverbandspräsident Sebastian Coe verteidigte die Vergabe der WM ins Golf-Emirat und vermied jegliche Kritik. „Man war einhellig der Meinung, dass die Bedingungen hier beinahe perfekt sind“, sagte der britische Lord im ARD-Interview.

Nicht nur Zehnkampf-Held Kaul sah das anders. „Es bleibt die Frage, ob man eine WM in ein Land geben soll, das nicht so sportbegeistert ist“, sagte er im ZDF. Eine WM gehöre eher in Länder wie England, Frankreich oder Deutschland, sagte er.

Und wo ist der Nachfolger von Lichtgestalt Usain Bolt? Auch die US-Sprinter Christian Coleman (Weltmeister über 100 Meter) und Noah Lyles (Champion über 200 Meter) konnten die Lücke nicht schließen, die der große Jamaikaner hinterlassen hat. Ihnen fehlt es nicht an lockeren Sprüchen – wohl aber an Charisma und Erfolgen. dpa

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