München – Drei Tage, zwei Gefühlswelten: Nach dem grandiosen 7:2-Sieg unter der Woche gegen Tottenham teilte Thomas Müller seine Emotionen via Instagram: „Darum lieben wir Fußball. Was für ein Sieg!“, verbreitete er auf Englisch in das soziale Netzwerk, in dem ihm inzwischen fast 120 000 Menschen folgen.
Nach der 1:2-Pleite gegen die TSG Hoffenheim offenbarte er sich zwar wieder in englischer Sprache, von Euphorie jedoch keine Spur mehr: „Nothing to say“, raunte er eine Viertelstunde nach Spielende in den Katakomben der Allianz Arena in Richtung der Reporter. Gefolgt von einer ebenso wortkargen Ergänzung in seiner Muttersprache: „Gar nix.“
Nichts zu sagen hatte er also zu seiner Rolle als Edeljoker. Nicht seine spezielle Rolle gegen Hoffenheim dürfte dem Angreifer die Sprache verschlagen haben – nach 60 Minuten kam er ins Spiel. Vielmehr dürften ihn die Aussagen von Niko Kovac vor dem Spiel ins Grübeln gebracht haben. Da gab der Bayern-Trainer einen Ausblick auf die kommenden Wochen des Weltmeisters von 2014: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen“, so Kovac. Klingt nach Notnagel, nicht nach fixer Größe, die in der Rotation der Bayern-Stars gesetzt ist. Nach Spielende bemerkte der Bayern-Coach die Sprengkraft seiner Sätze zwei Stunden zuvor: „Sie müssen da jetzt nichts daraus zaubern. Für ihn gilt das Gleiche, wie für alle anderen. Thomas ist heute reingekommen und hat noch mal Schwung reingebracht“, relativierte Kovac.
Thomas Müller war da schon längst davon gerauscht. Den Konkurrenzkampf gegen Philippe Coutinho hat er vorerst verloren. Kovac lobte den Brasilianer zuletzt derart überschwänglich, dass er seinen Königstransfers eigentlich kaum auf die Bank schicken kann. Die Münchner Nummer 10 garantiert mehr Sicherheit für das Spiel des Rekordmeisters. Wunderdinge zeigte die Leihgabe vom FC Barcelona zwar noch nicht – als permanente Anspielstation im Mittelfeld bringt er aber mehr Stabilität als „Raumdeuter“ Müller, der an guten Tagen Spiele entscheidet. An schlechten Tagen allerdings nicht am Spiel teilnimmt.
Auf Müllersche Geistesblitze setzt Kovac lieber in Teilzeit. Mit diesem Gefühl muss sich Thomas Müller jetzt erst mal anfreunden.