Hasan Salihamidzic hat in den vergangenen Jahren beim FC Bayern gelernt, wie man sich wann und wo adäquat äußert. Es gibt Tage, da sagt man lieber nichts. Es gibt solche, an denen man den Finger in die Wunde legen muss. Und es gibt auch jene, an denen man die „super Jungs“ (seine Lieblings-Bezeichnung) loben darf. Nach dem 1:2 gegen Hoffenheim nun war „Brazzo“ nicht gut drauf, referierte über eine lange Mängelliste. Und er diktierte einen interessanten Satz in die Mikrofone: „Wir haben die Bundesliga noch mal spannend gemacht.“
Mit der Kernaussage hat er durchaus recht. Diese Liga ist nach gut einem Fünftel der 34 Spieltage so eng wie lange nicht. Die beiden Worte „noch mal“ jedoch waren viel entscheidender, weil sie das Selbstverständnis der Bayern wunderbar beschreiben. Denn wäre alles so gelaufen wie unter normalen Umständen, wäre die Lage wie folgt: Brazzos Jungs wären der Konkurrenz mit mindestens 19 oder 20 Punkten auf der Haben-Seite längst enteilt und könnten entspannt dabei zusehen, wie die angeblichen Mitfavoriten auf den Titel nach und nach aus verschiedensten Gründen Punkte lassen. Das Problem aber: Sie selbst machen es aktuell nicht besser.
Für den externen Beobachter, also denjenigen, der sich nun jahrelang über fehlende Spannung an der Spitze beklagt und den Abstiegskampf als Ersatz-Meisterrennen auserkoren hatte, könnte die Lage besser nicht sein. Ab sofort ist jede zweite Partie ein Spitzenspiel. Gladbach grüßt von oben. In Freiburg und Wolfsburg, sogar auf Schalke oder in Leverkusen wird es um die Tabellenführung gehen, das macht Spaß – und ist absurd. Denn nicht überall sieht man deshalb schönen Fußball. Vielmehr stehen Titelfavoriten auf den Plätzen, die sich selbst schwächen, und Ambitionierte, die die Gunst der Stunde nutzen. Ein Hoch auf das kollektive Straucheln.
Bayern fehlt es an Konstanz. Ein Mentalitätsproblem hat Dortmund, das drei Mal nach einer Führung Punkte liegen ließ. Und Leipzig verballert so viele Chancen, wie sie andere in einer ganzen Halbserie nicht bekommen. So schön sich das für die neuen Spitzenkräfte nun anfühlt: Es ist – wie immer nach sieben Spieltagen – nur eine Momentaufnahme. Berechtigte Hoffnung auf einen anderen Meister als den Dauer-Sieger aus München kann man sich machen, wenn Brazzo seine Aussage im Frühjahr wiederholt. Das „noch mal“ kam noch zu früh.
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