Bremerhaven/München – Philip Gogulla sprang auf dem Eis hoch vor Freude wie ein Fußballer, als das 2:1 fiel; der Rheinländer ist noch neu beim EHC München, er muss sich ans ständige Siegen erst gewöhnen. Mark Voakes dagegen, der den entscheidenden Treffer in Bremerhaven erzielte und schon ein Jahr länger da ist, reagierte geschäftsmäßig kühl. Für den Hauch eines Moments ging ein Mundwinkel nach oben, dann fuhr der Kanadier zur Bande, berührte beiläufig die ihm entgegengestreckten Hände und hockte sich hin. Job erledigt. Und die Mission erfüllt: Der EHC München gewann auch sein neuntes DEL-Spiel dieser Saison, hat die volle Punktzahl (27) und den sechs Jahre alten Rekord der Nürnberg Ice Tigers einkassiert und überboten.
2:1 (0:0, 1:1, 1:0) gewann das Team von Trainer Don Jackson, das auch bei dieser heiklen Aufgabe in Bremerhaven funktionierte wie eine gut geölte Maschine. Es wartete im letzten Drittel geduldig darauf, dass sich eine Überzahlsituation ergeben würde – und benötigte dann nur 48 Sekunden, um durch Voakes den Puck ins Tor zu setzen, in den der Deutsch-tscheche Tomas Pöpperle, einer der besten Goalies der Liga, wie immer gegen den EHC ein starkes Spiel machte. In der vorigen Saison hatten die Fischtown Pinguins, wie sie sich nennen, alle vier Hauptrundenspiele gegen München gewonnen.
Bremerhaven hatte auch in der neuen Saison in jeder Partie gepunktet, stand auf Platz vier, als der EHC gestern im städtischen Eisstadion aufkreuzte – und die Pinguins gingen in Führung. Der Norweger Stefan Espeland versenkte im Powerplay (25. Minute) einen Schlenzer im Kasten von Kevin Reich, der nach Don Jacksons Gesetz der Rotation diesmal wieder von Danny Aus den Birken übernahm. Knapp neun Minuten lag der EHC hinten, dann verlängerte Philip Gogulla einen Schuss von Mark Voakes zum Ausgleich. Ins letzte Drittel startete der EHC mit einem Tor nach 33 Sekunden (Patrick Hager), doch nach Videostudium wurde es getilgt, es war per Handpass von Verteidiger Sanguinetti vorbereitet worden. Doch die Münchner ärgerten sich nicht – Maschinen kennen keine Gefühle.
Mark Voakes erklärte am Ende bei MagentaSport den Erfolg auch ganz nüchtern: „Es beginnt bei der Torhüterleistung, wir erlauben uns praktisch kein schlechtes Drittel, wir sind eine gute Mannschaft, haben Vertrauen und glauben an unsere Fähigkeiten.“ GÜNTER KLEIN