Auch die Gesunden bereiten Sorgen

von Redaktion

Vor Länderspielen: Löw als Aufbauhelfer gefragt – Koch und Rudy berufen

VON MANUEL BONKE

Dortmund – Die Nationalmannschaft sieht rot – zumindest beim Bundestrainer. Jogi Löw begab sich gestern Mittag nämlich in einem weinroten Rollkragen-Pullover zum L’Arrivee Hotel. In Dortmund bereitet sich die DFB-Elf auf die Länderspiele gegen Argentinien (Mittwoch) und Estland (Sonntag) vor. Das Ziel für diese Maßnahme hatte Löw bereits nach der Kader-Nominierung verlauten lassen: Die junge Mannschaft solle sich auf dem Weg zur EM 2020 einspielen. Die aktuelle Verletzten-Misere erschwert dieses Vorhaben. Löw muss auf zehn (Spieler verzichten: Leon Goretzka (Oberschenkel), Toni Kroos (Adduktoren), Jonas Hector (muskuläre Probleme), Antonio Rüdiger (Leiste), Kevin Trapp, Matthias Ginter (beide Schulter), Julian Draxler, Thilo Kehrer, Nico Schulz (alle Fußprobleme) und Leroy Sané (Reha nach Kreuzband-Operation). „Ich war Sonntag nur am Telefon und habe schlechte Nachrichten bekommen. „Das tut uns weh. Das ist ungewöhnlich hart für uns“, sagte Löw – und nominierte nach: Sebastian Rudy (Hoffenheim), einen alten Bekannten. Und einen Neuling: Robin Koch, 23, Verteidiger vom SC Freiburg.

Unabhängig von den Ausfällen gibt es einige Sorgenkinder, bei denen der Bundestrainer Aufbauhilfe leisten muss. Bei Marco Reus etwa: Dem Dortmund-Kapitän werden in den westdeutschen Medien aktuell die Führungsqualitäten abgesprochen. Nach drei Remis hintereinander ist die Stimmung beim BVB angespannt. Reus hofft, dass man nach einer DFB-Kur wieder Siege in Dortmund einfährt. Am Wochenende sagte er: „Ich hoffe, dass uns die Länderspielpause bisschen guttut, um die Köpfe frei zu kriegen, damit wir mit neuem Wind in die nächste Periode gehen, denn dann haben wir noch mehr stärkere Gegner vor der Brust, die englischen Wochen gehen richtig los.“

Julian Brandt kommt im DFB-Team wie auch beim BVB nicht über die Rolle als Edel-Reservist hinaus. Sein Selbstbewusstsein ist dementsprechend angeknackst: „Es ist schwierig, klar. Wenn du viel auf der Bank gesessen und immer wieder Kurzeinsätze hast, dann spielst du 90 Minuten, danach sitzt du vielleicht wieder auf der Bank.“

Ilkay Gündogan muss mit der ungewohnten Situation klarkommen, dass sein Team Manchester City in der Premier League bereits früh in der Saison acht Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter FC Liverpool angesammelt hat. Zudem reist auch Gündogan angeschlagen zum DFB. Löw sprach von einer leichten muskulären Verletzung.

Timo Werner von RB Leipzig legte in der Bundesliga einen forschen Start hin, wartet nun aber seit vier Spielen auf einen Treffer. Zu allem Übel reist der Stürmer nicht gesund an. „Timo hat einen grippalen Infekt, da ist auch nicht sicher, ob er trainieren kann“, erklärte Löw. Werner kann also frühestens am Sonntag in Estland seine Ladehemmung beseitigen – vorausgesetzt, er spielt. Denn gerade beim DFB macht der Angreifer dieses Jahr eine unglückliche Figur.

Nach den Abwehrausfällen kommt Löw nicht an Jonathan Tah vorbei. Viel Selbstvertrauen konnte der Leverkusener beim DFB zuletzt nicht sammeln. Eine Rückkehr von Mats Hummels ist dennoch ausgeschlossen. „An den habe ich jetzt nicht gedacht“, sagte Löw: „Wir gehen unseren Weg mit den jungen Spielern, es gibt keine Veranlassung, den Mats zu nominieren.“

Emre Can wurde für die Champions League von Juventus Turin ausgebootet, in der Serie A verbucht er nur 78 Minuten Einsatzzeit in drei Spielen. Can hatte schon bessere Karrierephasen.

Artikel 1 von 11