München – Der Streit um die Nationalmannschaftsnominierung von Weltmeister Lucas Hernández vom FC Bayern München geht in die nächste Runde. Nachdem der deutsche Rekordmeister angekündigt hatte, seinen Verteidiger aus Verletzungsgründen nicht für die französische Auswahl abstellen zu wollen, forderte der Verband den Münchner trotzdem zum Nationalteam an.
„Ich bin irritiert über das Verhalten des französischen Verbandes. Ich möchte darauf hinweisen, dass Lucas Hernández aufgrund seiner Verletzung weder bei unserem Champions-League-Spiel vergangenen Dienstag in London gegen Tottenham Hotspur noch bei unserem Bundesligaspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim am Samstag im Kader des FC Bayern stehen konnte“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge laut Mitteilung vom Montag. Er hätte sich von Frankreichs Verband „wegen des großen Risikos mehr Verständnis erwartet“.
Die Franzosen wollen Hernández – ebenso wie PSG-Star Kylian Mbappé – selbst in Paris untersuchen. Für Bayerns Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist die Sache klar. „Ich trage die Verantwortung für die Gesundheit von Lucas Hernández und ich sage: Er kann bei den anstehenden Partien der französischen Nationalmannschaft nicht spielen, von daher macht auch eine Abstellung keinen Sinn“, sagte Müller-Wohlfahrt.
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bayern und Nationalverbänden haben eine gewisse Tradition. Zur bislang größten Auseinandersetzung war es gekommen, nachdem Arjen Robben in desaströsem gesundheitlichen Zustand von der WM 2010 mit den Niederlanden zurückgekehrt war – man einigte sich dann darauf, dass die Holländer zur Schadenskompensation (Robben kostete die Bayern an jedem Ausfalltag 11 000 Euro – über mehr als ein halbes Jahr) zu einem Spiel in München antreten müssten, es fand dann 2012 statt. Zuletzt drohte Präsident Uli Hoeneß dem DFB mit einem Boykott, sollte Manuel Neuer nicht mehr Nummer eins sein. Rechtlich ohne Chance. dpa/gük