Augsburg – Als Martin Schmidt am 10. April 2019 als Trainer beim FC Augsburg anfing, hatten die Lifte in seiner Schweizer Heimat Belalp gerade geschlossen. Augsburg, sagte er damals, sei sein erster Bundesligastandort mit Nähe zu den Bergen, da könne er an einem trainingsfreien Tag mal auf die Piste. „Wie schnell bin ich dort?“ Von der Augsburger Arena aus sind es knapp eineinhalb Stunden zum Oberjoch, dem Augsburger Hausberg. Skibetrieb wieder ab Dezember, je nach Schneelage. Doch ob Schmidt, der passionierte Brettl-Fan, dann noch in Augsburg leben wird?
Der 52-Jährige ist aufgrund seiner offenen Art allseits beliebt – aber zunehmend umstritten. Optimistisch hatte er einen „goldenen Oktober“ für den FCA in Aussicht gestellt. Die Realität: neben Paderborn die meisten Gegentore trotz Aufrüstung der Defensive, blutleere Auftritte gegen Leverkusen (0:3) und in Mönchengladbach (1:5). Am Sonntag verfiel sogar die vereinseigene Social-Media-Abteilung ins Lästern: „23. Minute. 10 Minuten seit dem letzten Gegentreffer! Unsere Jungs finden langsam Stabilität…!“ Am Ende des Nachmittags musste selbst Schmidt einräumen: „Das waren zwei, drei Schritte zurück.“ Er kann nur um Geduld bitten und versprechen, „alles zu hinterfragen“.
Bei der Kaderplanung hatte er etliche Wünsch erfüllt bekommen, um sein Modell vom Balleroberungs- und Umschaltfußball implantieren zu können. Flügelwirbler Ruben Vargas und die Wolfsburger Leihgabe Felix Uduokhai sind Schmidt-Leute, die eingeschlagen haben, der von ihm empfohlene Marek Suchy (Basel) verschwindet in den Tiefen des absurd großen Kaders mit 34 Profiverträgen, der prominente Schweizer Außenverteidiger Stephan Lichtsteiner, 35, früher bei den Topadressen Juventus Turin und FC Arsenal, ist vom Tempo der Bundesliga heillos überfordert und permanent Rot-gefährdet. „Er wird provoziert, ist aber auch jemand, der sich schnell aufregt“, sagt Schmidt. Auch der aus Leverkusen geliehene Tim Jedvaj patzt regelmäßig, der tschechische Torhüter Tomas Koubek (Stade Rennes) ist nur auf der Linie gut, im Herauslaufen und fußballerisch jedoch ein Totalausfall.
Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter erhielt auf der Jahreshauptversammlung noch Rückendeckung von Präsident Klaus Hofmann – doch im siebten Reuter-Jahr in Augsburg wächst der Unmut unter den Fans. Über Vertragsverlängerungen, die sich nicht erschließen (Moravek, Teigl), und darüber, dass er es nicht schafft, abwanderungswillige Spieler (Max, Gregoritsch) zu Geld zu machen.
Das nächste Spiel des FCA ist gegen Bayern. Am 19. Oktober. Immer noch weit weg vom Skiwinter. GÜNTER KLEIN