Waldgeist erfüllt den Lebenstraum

von Redaktion

Der Hengst von Dietrich von Boetticher, Präsident des Münchener Rennvereins, gewinnt wichtigstes Rennen der Welt

München – Für Dietrich von Boetticher ist am Sonntagnachmittag ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen: Der Präsident des Münchener Rennvereins (MRV) gewann als Besitzer mit Waldgeist das wichtigste Galopprennen der Welt, den Prix de l’Arc de Triomphe auf der Rennbahn in Paris-Longchamp.

In dem mit fünf Millionen Euro dotierten Gruppe I-Rennen treffen traditionell die besten Rennpferde und bedeutendsten Besitzer aufeinander. Der fünf Jahre alte Boetticher-Hengst verhinderte dabei mit seinem denkwürdigen Auftritt buchstäblich auf den letzten Metern ein Stück Galopp-Geschichte, indem er den dritten Arc-Sieg in Folge von Enable zunichte machte. Keinem Galopper war dies bisher in der langen Rennsport-Historie gelungen. Die Ausnahme-Stute hatte das Rennen bereits 2017 und 2018 gewonnen und lag noch 50 Meter vor dem Ziel in Führung, ehe Waldgeist mit Jockey Pierre-Charles Boudot an der favorisierten Gegnerin vorbeizog.

Nachdem Boudot mit dem späteren Sieger während des 2400 Meter langen Rennens unauffällig in der Mitte des Feldes und innen an den Rails lag, stieß er zu Beginn der Zielgerade in die Führungsgruppe und startete seinen Angriff. „Ich habe nicht mit dem Sieg gerechnet. Ich habe nicht damit gerechnet und ich glaube nicht, dass irgendjemand damit gerechnet hat, dass irgendein Pferd Enable würde schlagen können, sie hatte sich als dermaßen überlegene Stute präsentiert“, sagte von Boetticher. Zudem sei der weiche Boden für Waldgeist eine Herausforderung gewesen. Im Finish sei er jedoch „wirklich explodiert“. Der Hengst hatte den „Arc“ bereits vergangenes Jahr bestritten und war nach einem unglücklichen Rennverlauf Vierter geworden. Bereits damals zählte von Boettichers Pferd zum erweiterten Favoritenkreis.

Mit Waldgeist unternahm der in Icking wohnende Besitzer des Gestüts Ammerland nicht den ersten Versuch zum großen Pariser Triumph. 1997 und 1999 schickte er die Stute Borgia an den Start, 2005 siegte mit Hurricane Run bereits ein Galopper aus Ammerländer Zucht, befand sich zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr in von Boettichers Besitz.

Ob Waldgeist nach dem „Arc“-Erfolg weiter Rennen bestreitet oder in die Zucht wechselt, ließ von Boetticher offen und verwies stattdessen auf die besondere Rolle von Andre Fabre. Der französische Spitzentrainer ist seit langem für die Ammerländer Top-Galopper verantwortlich und verhalf von Boetticher nun zum größten Erfolg seiner Besitzerkarriere: „Ich würde nie eine Entscheidung ohne André Fabre treffen“, sagte er entschieden. Man werde jetzt alles in Betracht ziehen, „aber das Pferd wird entscheiden, wie es weitergeht“. CHRISTIAN WANNINGER

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