München – Neun Spiele, 27 Punkte. So entschlossen hat noch kein Team in der 25-jährigen Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Saison eröffnet wie der EHC München. Es wäre für die Mannschaft ein schöner Moment, um sich über die erste Zwischenbilanz und die souveräne Tabellenführung zu freuen.
Jedoch: Der Terminplan ist fies. Zwar geht es nach der vergangenen englischen Woche in der DEL für den EHC erst am Freitag mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg weiter, doch man darf nicht die andere Liga übersehen, in der die Münchner noch zu tun haben: In der Champions Hockey League (CHL) schlägt heute (19.30 Uhr) Färjestads Karlstad aus Schweden am Oberwiesenfeld auf. Auch in der CHL führt der EHC die Tabelle (seiner Vorrundengruppe) an, aber nur knapp. Er hat neun Punkte, Karlstad acht. Und Ambri-Piotta (vier) könnte die Münchner noch abfangen und ihnen das Achtelfinale verwehren (theoretisch).
Die Umstellung aufs internationale Eishockey und die Vorbereitung auf einen bislang unbekannten Gegner müssen blitzschnell vonstattengehen. Das Programm der Spieler: „Möglichst jede Gelegenheit nutzen, damit wir uns ausruhen, gut essen, viel trinken, viel schlafen“, so Yasin Ehliz nach dem sechstägigen „Road trip“ mit den DEL-Spielen in Schwenningen, Köln und Bremerhaven. Und während die Münchner Kraft tanken, überlegt der Rest der Liga, warum ihm der EHC so früh enteilt ist.
Tiefe im Kader: Ein wichtiges Anliegen von Trainer Don Jackson ist es, dass sich die Torschützen über möglichst alle Reihen verteilen. Gelassen reagiert der Amerikaner auf die Fußballreflexe der Reporter, wenn die anmerken, dass die Reihe mit den jungen Wilden mal nicht gescort habe. „Dann hatten wir einen anderen Block, der uns das Spiel gewonnen hat.“ Von den Stammspielern ist nur Verteidiger Andy Bodnarchuk ohne einen Scorerpunkt.
Die Tiefe im Kader ging nur in Schwenningen verloren, als drei Mittelstürmer (Roy, Voakes, Hager) fehlten.
Talent und Tempo: Vorige Saison setzte der EHC seine in der Salzburger Akademie geschulten jungen Spieler ein, als die alten verletzt waren. Diese Saison geschieht es aus Überzeugung. Und in John-Jason Peterka und Justin Schütz, 17 und 19 Jahre alt, hat der EHC zwei Spieler mit Aussicht auf eine NHL-Karriere. Diese beiden wie auch Maxi Daubner, 22, sind flott unterwegs, sie profitieren von den Möglichkeiten der Akademie wie einer Skatemill (Schlittschuhlaufen auf einer Art Laufband) und den sommerlichen Skating-Camps.
Eingespieltes Team: Die ausländischen Zugänge Roy, Bourque, Parlett, Sanguinetti kannten europäisches Eishockey von ihren früheren Stationen, ihre Verpflichtung war kein Risiko. Philip Gogulla fand sofort in den Scoring-Modus, weil er mit Patrick Hager einen Mittelstürmer zur Seite bekam, den er aus der Nationalmannschaft und gemeinsamen Jahren in Köln kennt.
Siegeslust: Nach den Meisterschaften 2016, 17 und 18 war die dem EHC-Team in den Playoffs 2019 ein wenig abhandengekommen, in den Finals fügte sich die Mannschaft (bis ihr Aufbäumen im letzten Spiel) den stärkeren Mannheimern. Als Vizemeister hat sie nun ein neues Ziel.
Günstige Spielverläufe: „Wichtig ist, dass wir einem Rückstand nicht lange hinterherlaufen müssen“, sagt Stürmer Daubner. Am kritischsten war es in Ingolstadt, wo der EHC im mittleren Drittel 14:57 Minuten zurücklag (davon 5:18 mit zwei Toren) – ehe er 7:4 gewann. 0:1-Rückstände erlebte München nur gegen Düsseldorf (1:51 Minuten), Mannheim (11:17), in Ingolstadt 6:45), Schwenningen (1:18) und Bremerhaven (8:42). Im letzten Drittel lag der EHC noch nie zurück.
Kriselnde Gegner: Meister Mannheim leistete sich zu Beginn einige Aussetzer, die als Aspirant auf Platz drei (oder höher) gehandelten Kölner Haie schmieren auch wegen einer Verletzungswelle ab (Vorletzter, 16:29 Tore), der Vorjahresdritte Augsburg verliert seine Spiele zwar knapp, aber verlässlich.
Aussichten: Acht Punkte Vorsprung können im Eishockey mit seinem dichten Kalender schnell dahinschmelzen. In seinen nächsten beiden DEL-Spielen zuhause gegen Wolfsburg und Iserlohn ist der EHC aber schon sehr klarer Favorit. Zur Herausforderung wird sicher die Partie am Donnerstag, den 17. Oktober. In Straubing, derzeit Dritter, kann jedes Team jederzeit verlieren. Der EHC ist zwei Tage zuvor beim CHL-Rückspiel in Schweden. Stress pur.