Augsburg – Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die Leichtathletik-WM im Wüstenstaat Katar scharf kritisiert. Klimatisierte Stadien für eine solche Veranstaltung zu bauen, während bereits 20 Millionen Menschen aus ihrer durch die Klimaerwärmung unbewohnbar gewordenen Heimat geflohen seien, zeige, „welcher Irrsinn für den Menschen möglich ist“, sagte Müller am Montagabend in Augsburg.
Dass in demselben Land 200 Milliarden US-Dollar investiert würden, um 2022 die Fußball-WM austragen zu können, falle in dieselbe Kategorie. Bereits mit der Hälfte dieses Geldes ließe sich der Hunger auf der ganzen Welt beseitigen. Müller äußerte sich beim Jahresempfang des Bistums Augsburg.
Auch Johannes Herber, Geschäftsführer der unabhängigen Interessensvertretung Athleten Deutschland e.V., hat sich nach der WM noch einmal kritisch über Doha geäußert. „Wenn wir nicht klar sagen können, dass wir die Gesundheit der Athleten nicht aufs Spiel setzen, müssen wir überlegen, ob es das wert ist, die Events in diesen Weltregionen auszurichten“, sagte er. Die Marathon- und Geher-Wettbewerbe fanden in Doha mitten in der Nacht, aber noch immer bei mehr als 30 Grad Celsius statt. Herber kritisierte die Vergabe und damit den Leichtathletik-Weltverband IAAF. Nicht die Athleten stünden im Mittelpunkt, „sondern wirtschaftliche und politische Interessen und die Macht innerhalb der Verbände“, sagte der frühere Basketball-Nationalspieler: „Der Athlet hat am Ende das Nachsehen.“
Herber fordert, die Athleten früher einzubeziehen, „und zwar so, dass sie auch mitbestimmen können und nicht nur eine Stimme von vielen sind“. Der 36-Jährige ist seit August Geschäftsführer des Vereins, der sich für die Interessen der Spitzensportler in Deutschland einsetzt. kna/sid