Mit dem letzten Aufgebot

von Redaktion

Löw muss im Prestige-Duell mit Argentinien auf 13 Akteure verzichten

VON MANUEL BONKE

Dortmund – Es hatte durchaus Symbolkraft. Als Joachim Löw, 59, gestern noch einige Minuten auf seinen Auftritt bei der Pressekonferenz im Deutschen Fußball-Museum warten musste, lehnte der Bundestrainer am Notausgang. Neben ihm an der Wand der Flucht- und Rettungsplan. Rette sich, wer kann. So lautet im Prinzip auch das Motto für das Länderspiel gegen Argentinien (20.45 Uhr, RTL).

13 Spieler stehen definitiv nicht zur Verfügung. Jonathan Tah fällt wegen einer Erkältung auch noch aus. Mit Marco Reus (Knieprobleme) ist ein weiterer Akteur angeschlagen. Mit dem letzten Aufgebot gegen den Final-Gegner der WM 2014.

„Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich. So viele Absagen hat es selten oder noch nie gegeben“, bemerkte der Bundestrainer und blickte direkt in eine düstere Zukunft: „Das macht die Sache im Hinblick auf die EM 2020 schon ein bisschen schwieriger. Wir hätten das Jahr schon nutzen wollen, um uns vorzubereiten, einzuspielen. Das werden wir jetzt nicht können.“

Und so muss sich Löw aus den verbliebenen Akteuren ein Team basteln. Langsam rennt dem Bundestrainer die Zeit davon, wie er gestand: „Ganz optimal ist es in den letzten Monaten nicht gelaufen. Im März und Juni hatte man das Gefühl, dass viele Dinge fließender sind und greifen. Doch dann gab es nach der Sommerpause einen Bruch . . .“

Trotz der Verletzungsmisere nimmt Löw die Seinen für die anstehenden Spiele in die Pflicht. „Ich erwarte, dass jeder einzelne Spieler versucht, seine Chance zu nutzen. Was man erwarten kann, ist, dass die Mannschaft engagiert, seriös und mit viel Einsatz zu Werke geht.“ Mit Einzelgesprächen schwor der Bundestrainer Teile des Teams auf die „komplizierte Situation“ ein, wie sie Julian Brandt bezeichnete. Und die Spieler hörten offenbar gut zu. „Dass nicht alles klappen wird, ist klar“, sagte der Neu-Dortmunder: „Was man von uns aber erwarten kann, ist Einsatz.“

Den geforderten Einsatz werden gewiss auch Niklas Stark und Luca Waldschmidt zeigen; die beiden Neulinge stehen direkt in der Startelf. Dass da viele Abläufe nicht stimmen können, dürfte klar sein. Anführer auf dem Feld sollen Abwehrchef Niklas Süle und Joshua Kimmich sein. Die Flut an Spielen und die aufgeblähten Wettbewerbe macht Löw für die Personalprobleme verantwortlich. „Die Spieler sind körperlich absolut am Limit angelangt. Wir wollen nicht diesen hohen Verschleiß und machen uns da ein bisschen Sorgen.“

Bleibt für Löw nur zu hoffen, dass sich die Personallage zumindest bis zum EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Tallin gegen Estland entspannt. Bis dahin sollte Löw zumindest wieder auf Timo Werner (krank), Tah, Reus und Gündogan zurückgreifen können.

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