Wirbler – Sechser – Verteidiger – Ruheständler

von Redaktion

Mit 35 hat Bastian Schweinsteiger seine Karriere beendet – dem Fußball will er treu bleiben

VON GÜNTER KLEIN

München – Wenigstens eine Torvorbereitung war dabei im Spiel, das sein letztes sein sollte. Vor dem 5:2 von Chicago Fire gegen Orlando City noch einmal also ein typischer Bastian-Schweinsteiger-Lauf mit leichtem Hohlkreuz und abgewinkelten Unterarmen und schließlich ein wohldosierter Pass auf den Polen Przemyslaw Frankowski. Mit diesem Match ging die „regular season“ in der Major League Soccer zu Ende – und damit auch die Karriere von Bastian Schweinsteiger, dem Weltstar aus Oberaudorf. Am nächsten Tag verkündete er über seine Social-Media-Kanäle: „Nun ist die Zeit gekommen: Ich danke euch und meinen Mannschaften FC Bayern, Manchester United, Chicago Fire und DFB-Team, Natürlich danke ich auch meiner Frau Ana Ivanovic und meiner Familie für ihre Unterstützung.“

35 ist Bastian Schweinsteiger inzwischen, der Abschied erfolgt knapp 14 Monate nach seinem Abschiedsspiel in München. Sportlich hat er es ausklingen lassen in der Major League Soccer. In einer klassischen Altersrolle: Innenverteidiger. Berühmt geworden war er vor gut 15 Jahren als frecher Dribbler auf der Außenbahn, der sich gern ins Sturmzentrum schlich (zwei Tore 2008 bei der EM im Viertelfinale gegen die damals favorisierten Portugiesen), verdammt gut im Kopfball war und aus der zweiten Reihe draufzünden konnte.

Ein wenig fehlte ihm halt das Tempo, deswegen erfand Louis van Gaal ab 2009 für Schweinsteiger die Paraderolle: der Sechser, der Stratege, der das Spiel vor sich hat. Lange war Schweinsteiger ein gesundheitlich stabiler Spieler, man führte es auf die an seinem Oberschenkelumfang erkennbare Vorkarriere als alpiner Skifahrer zurück. Doch dann kamen die Verletzungen, das Bild Schweinsteigers wandelte sich. Er wurde kämpferischer (sein Cut im WM-Finale 2014 – legendär), grüblerischer, vers(p)onnener. Im Münchner Gärtnerplatzviertel konnte man ihn Paul-Auster-Romane lesend im Café sitzen sehen.

Letzte Stufe: der globale Star. Hochzeit mit dem Tennisstar, ziemlich geheime Feier in Venedig, Fußballer am anderen Ende der Welt. Wie damals Beckenbauer.

Wo wird er leben, wie wird er leben? „Ich freue mich auf die spannenden Aufgaben, die mich bald erwarten. Dem Fußball werde ich treu bleiben“, textete er. Bundestrainer Joachim Löw ließ wissen, dass für einen wie Bastian Schweinsteiger beim DFB immer eine Tür offen stehe.

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