„Bayern wird sicher ein Big Player“

von Redaktion

Johannes Voigtmann über den Wechsel zu ZSKA Moskau und Euroleague-Gegner München

Moskau – Er hat dem deutschen Basketball schon jetzt ein Novum beschert. Als erster deutscher Profi heuerte Johannes Voigtmann bei Euroleague-Sieger ZSKA Moskau an. Der Einstand glückte allerdings nur bedingt – in der nationalen Liga musste der Armeesportclub bereits zwei Niederlagen einstecken. Heute (19 Uhr) bekommen es Voigtmann & Co in der Euroleague mit dem FC Bayern zu tun.

In St. Petersburg kassierten Sie zu Wochenbeginn bereits die zweite Niederlage im dritten Spiel. Herrscht schon Alarmstimmung bei ZSKA?

So etwas drückt natürlich auf die Stimmung, klar. Der Druck ist schon sehr hoch hier. Aber auch der, den du dir selbst machst. Du erwartest ja selbst, dass du performst. Aber es hat sich halt auch viel verändert in der Mannschaft. Und jeder weiß, dass wir für das, was wir erreichen wollen, um ein Team zu werden, noch ein paar Spiele gewinnen zu müssen.

Sie wechselten im Sommer von der spanischen Provinzstadt Baskonia in die Millionenmetropole. Wie groß ist der Schritt zum staatlich finanzierten kontinentalen Branchenführer, der sogar mit dem eigenen Jet auf Tour geht?

Der ist sehr groß. Das geht bei mir schon in der Arbeit von Trainer Dimitrios Itoudis los. Diese Detailarbeit, die genauen Videostudien – das ist etwas, was ich so bis jetzt nicht kannte. Bei ZSKA ist alles enorm professionell, alles ist vom Feinsten. Wie ein Stück NBA in Europa. Da geht im Alltag schon alles leichter von der Hand. Moskau? Klar, du merkst schnell, dass du plötzlich ganz andere Möglichkeiten hast. Aber die Stadt hat für mich nullkommanull Rolle gespielt. Meine Entscheidung war sportlich.

Wäre der Schritt in die „echte“ NBA dann nicht konsequenter gewesen. Washington war interessiert.

Naja, nur NBA zu spielen, um NBA zu spielen, macht ja auch keinen Sinn. Dort wäre meine Rolle unklarer gewesen. Ok, das Unberechenbare ist in der NBA ein Stück weit normal. Du gibst ein Stück weit deine Rechte ab und bist eine Ware. Das wird andererseits auch wieder sehr gut entlohnt. Aber ich bin in meiner Karriere gut damit gefahren, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Und da war unter allen Angeboten, die ich hatte, Moskau für mich der logische nächste. Ich bin sehr glücklich damit. Dass ich der erste Deutsche bin, der hier spielt, das hat für mich nicht direkt eine Rolle bei der Entscheidung gespielt. Das sicher nicht. Aber wenn man das im Nachhinein jetzt hört, dann freut einen das. Das ist schon schön.

Zu den Interessenten gehörte auch der FC Bayern.

Ja, das stimmt. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es für mich besser ist, noch eine Weile im Ausland zu spielen.

Sind die Münchner auf dem Weg zum Big Player, der für Spieler eine Alternative zu den Großen des Kontinents werden kann?

Da bin ich mir sicher. Das geht doch schon beim Standort los. Die Euroleague redet doch immer davon, dass sie attraktive Standorte haben will. Deswegen ist ja auch Bamberg leider ein bisschen weg vom Radar. Aber sie haben es auch gut gemacht und sich Stück für Stück nach oben gearbeitet. Und mit der Mannschaft, die sie jetzt zusammen haben, ist da schon einiges möglich.

Das klingt nach einigem Respekt vor dem Duell am Donnerstag…

Für uns wird das total schwer. Es ist das erste Heimspiel, wir sind noch nicht im Rhythmus. Bei Bayern sieht das für mich anders aus. Das Spiel in Frankfurt am Sonntag war vielleicht nicht so toll. Aber in den anderen Spielen hat das schon richtig gut ausgesehen. Die profitieren da auch von den Stärken der letzten Jahre wie einer sehr guten Verteidigung. Sie haben gute Einzelspieler, einen sehr guten Big Man dazu bekommen…

Interview: Patrick Reichelt

Artikel 9 von 11