Ferrari: Falsches Spiel mit Vettel?

von Redaktion

Red-Bull-Chefberater Marko und der Entdecker des Heppenheimers klagen die Scuderia an

VON RALF BACH

Suzuka – Alle schauen hin, was Ferrari beim Großen Preis von Japan am Sonntag treibt. Kein Wunder, denn beim letzten Rennen in Sotschi sorgten die Italiener für Gesprächsstoff, der nachhaltig bleibt. Grund: Die Scuderia hatte Sebastian Vettel (32) vor der Weltöffentlichkeit durch den absichtlich verzögerten Boxenstopp vorgeführt, damit Lieblingspilot Charles Leclerc (21) die Führung vom Deutschen übernehmen konnte. Dass Vettel später mit einem Defekt im Hybridsystems seines Ferrari aufgeben musste, spielte keine Rolle mehr. Der Aufreger war da. Kurz nach dem Rennen prophezeite Red-Bull-Chefberater Helmut Marko schon die Konsequenzen für seinen Ex-Piloten. „Vettel hat bei Ferrari keine Zukunft mehr,“ befand der Grazer Doktor der Rechtswissenschaften.

Bei Servus TV legte Marko noch mal nach. „Vettel hat wahrscheinlich die bessere Rennabstimmung gefunden“, so Marko. „Leclerc hätte ja ranfahren können, aber das hat er nicht geschafft. Vettel war einfach der schnellere. In der Situation ist es klar, dass er sich da nicht genau erinnert, was ausgemacht war. Und dass man ihn dann so offensichtlich mit den alten Reifen herumschlittern lässt, bis Leclerc vorbei ist, das trägt natürlich auch nicht zur Stimmung bei. Ich finde das gar nicht gut. Vettel ist vorn, Leclerc beschwert sich. Und dann gibt der Renningenieur mehr oder minder offiziell durch: ,Mach dir keine Sorgen, wir regeln das über den Boxenstopp.’“

Marko im Klartext: „Das heißt: Wir manipulieren den Boxenstopp. Eigentlich ist das gegen die Fairness und gegen den ganzen Sport.“ Marko sieht die Schuld bei Leclerc: „Leclerc hat sich in Monza nicht an die Regel gehalten. Da hätte er einen Windschatten für Vettel geben sollen. Leclerc hat das so hinausgezögert, dass die letzten fünf Fahrer überhaupt keine Runde mehr zusammengebracht haben. Der trägt schon seinen Teil bei.“

Im Kölner Express meldete sich Gerhard Noack (67) zu Wort. Noack war ein Entdecker und Förderer des Heppenheimers zu Kartzeiten. „Sebastian ist kein Typ, der hinwirft“, sagt er, gibt aber auch zu bedenken: „Für einen Leistungssportler hat er schon einige Jahre auf dem Buckel.“

Trotzdem fahre der Deutsche noch immer auf Top-Niveau. Noack: „In Singapur hat er gute Nerven bewiesen und das Ding auf älteren Reifen gewonnen. Dafür musst du auf so einem Stadtkurs Eier haben. So fährt keiner, der keine Lust mehr hat. Das hat ihm Auftrieb gegeben.“

Allein: Von Ferrari könne sein Ex-Schützling keine Hilfe erwarten, glaubt Noack: „Da sind einige Dinge vorgefallen, die nicht sauber gelaufen sind, auch schon im Qualifying in Monza. Der Leclerc setzt ihm zu – und Binotto äußert sich unglücklich.“ Vettel nehme sich diese Dinge zu Herzen: „Er kommt immer mehr unter Druck, das sagt er ja selbst.“ Noack ist gespannt, wie sein Meisterschüler beim Grand Prix in Suzuka reagiert: „In den nächsten Rennen entscheidet sich, wer als Ferraris Nummer eins ins neue Jahr geht.“ Und er legt sich fest: „Ich denke, Sebastian wird 2020 noch fahren, was danach passiert, steht in den Sternen.“

PS: Am Dienstag vergangener Woche unterbrach Vettel einen Test im Schaltkart, um in der Ferrari-Fabrik in Maranello eine Aussprache mit Teamchef Mattia Binotto abzuhalten. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen, hört man aus den heiligen Hallen in Maranello. Wer es glaubt . . .

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