München – Wenn man sich mit Thomas Müller unterhält und er plötzlich von Hochdeutsch ins Bairische wechselt, ist das ein Zeichen dafür, dass sich der Bayern-Star wohlfühlt. Niko Kovac ist des bairischen Dialekts als gebürtiger Berliner nicht mächtig, die Kommunikation mit seinem Trainer beschränkt Müller nach dessen Notnagel-Aussage („Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit seine Minuten bekommen“) allerdings ohnehin nur auf das Nötigste. Heißt: Müller fühlt sich unter Kovac in München nicht mehr wohl – und will den Verein laut „Sport Bild“ im Winter verlassen.
„In den vergangenen fünf Spielen war ein Trend zu erkennen, der mich nicht glücklich macht. Wenn das Trainerteam mich in Zukunft nur noch in der Rolle des Ersatzspielers sieht, muss ich mir meine Gedanken machen. Dafür bin ich einfach zu ehrgeizig“, zitiert der „kicker“ Müller, der Kovacs Notnagel-Spruch ansonsten nicht krumm nimmt: „Ich bin bei so etwas nicht so empfindlich. Es gab mit dem Trainer bereits ein Vieraugengespräch. Damit ist die Geschichte für mich ausgeräumt.“
Am Mittwoch trainierte er an der Säbener Straße, postete ein Bild auf Instagram und schrieb dazu: „Das perfekte Wetter, um sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren – Training im Regen.“
Tatsächlich wurden bislang noch keine Gespräche zwischen dem Müller-Management und den Bayern-Bossen geführt, gestern weilten sowohl Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge als auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic tagsüber nicht in München. Doch die Situation ist verfahren. Auch wenn Müller sich öffentlich nicht über seine Rolle als Edeljoker beschwert, macht er intern keinen Hehl daraus, dass ihn sein aktueller Status schwer nervt.
Fakt ist: Vor ein paar Jahren war es noch undenkbar, dass der Fanliebling München verlässt. Müller trägt seit seinem zehnten Jahr das Bayern-Trikot, betreibt mit seiner Frau Lisa im Süden Münchens ein Gestüt und wohnt nur unweit davon entfernt. Nach Informationen unserer Zeitung schließt man mittlerweile aber auch beim FC Bayern nicht mehr aus, dass Müller seine Heimat in Zukunft für eine neue Herausforderung verlassen könnte. Dass das vor Ende seiner Vertragslaufzeit (30. Juni 2021) geschieht, ist jedoch unwahrscheinlich.
Trotz der Last-Minute-Verpflichtungen von Coutinho und Perisic ist der Bayern-Kader nicht unbedingt üppig besetzt. Sollte sich Coutinho verletzten, ist Müller wieder erste Wahl auf der Zehner-Position. Gleiches gilt auch, wenn Robert Lewandowski einmal ausfallen sollte. Für den Verein hat Müller also durchaus noch einen sportlichen Wert, auch wenn Trainer Kovac ihn nicht mehr als Mann für die Startelf sieht. Dabei hatte es der „Raumdeuter“, den sein Mentor Louis van Gaal („Müller spielt immer“) 2015 für 100 Millionen Euro zu Manchester United locken wollte, mit seiner unorthodoxen Spielweise nicht nur bei Kovac schwer. Bei Pep Guardiola zählte Müller nie zu den absoluten Stammspielern. Auch Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti ließ den Offensivspieler oft links liegen. „Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will, aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt“, sagte Müller damals.
Was jetzt – auch – gegen einen baldigen Wechsel spricht, ist Müllers Gehalt, das auf 15 Millionen Euro brutto pro Jahr geschätzt wird. Es gibt nur wenige Vereine, die einen solch üppigen Lohn für einen Spieler zahlen, der bereits 30 Jahre alt ist. Das weiß auch Müller.