„Brutales Feuer“ mit Pat Cortina

von Redaktion

EISHOCKEY Der noch ungeschlagene EHC München trifft auf Wolfsburg und auf seinen Ex-Trainer

München – Neun Siege aus neun Spielen hat der EHC München in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga eingefahren, er hat sein Vorbereitungsturnier in Kitzbühel gewonnen und sich in der Champions Hockey Lague frühzeitig, schon vor dem letzten Spieltag, als Gruppensieger fürs Achtelfinale qualifiziert. Kleines Rätsel: Hat der EHC denn überhaupt mal ein Match verloren? Ja doch, fast schon vergessen, aber Mark Voakes, der Stürmer, weiß es noch: „In Banska Bystrica in der Slowakei.“ Am 5. September unterlag München dort 2:3 nach Penaltyschießen. „Wer uns schlägt, muss ein starkes Team sein“, meint Voakes. Fast erstaunlich, dass besagtes Banska Bystrica das schwächste in der Gruppe ist (7:19 Tore, nur drei Punkte).

Irgendwann wird der EHC München auch in der DEL wieder verlieren, und bei der Leistungsdichte, die das Eishockey oft nachweist, könnte es auch dann passieren, wenn man wie im Fall Banska Bystrica nicht damit rechnet. Konkret: Könnte es den EHC in seinem zehnten Punktspiel heute (19.30 Uhr) gegen Wolfsburg erwischen oder am Sonntag (14 Uhr) im elften gegen Iserlohn?

Jedenfalls kommt heute einer ans Oberwiesenfeld, den die Münchner Fans sehr mögen: Pat Cortina. Er war der Trainer, der den EHC in den Zeiten vor Red Bull nach oben brachte, bis in die DEL und dort sogar – mit bescheidenen Mitteln – in die Playoffs. Überraschend wurde er 2013 Bundestrainer, München war stolz darauf, und als 2016 die erste Deutsche Meisterschaft des Clubs gefeiert wurde, lud man Pat Cortina als Ehrengast ein. Doch nachdem sein Vertrag beim Deutschen Eishockey-Bund nicht verlängert worden war, musste er wieder was suchen im Vereinseishockey. In Schwenningen hielt er sich etwas länger als zwei Jahre, seit Beginn dieser Saison trainiert er Wolfsburg.

Darauf haben in der VW-Stadt nicht alle mit Begeisterung und in der Branche einige mit Verwunderung reagiert. Sie sagen, außerhalb Münchens habe der Italokanadier keinen Erfolg gehabt, in der Nationalmannschaft seien ihm die Spieler davongelaufen. Und wenn DEB-Präsident Franz Reindl an Cortinas Nachfolger Marco Sturm rühmte, „dass, wenn er bei den NHL-Clubs anruft, jeder weiß, wer er ist“, steckte darin auch die Aussage: Cortina war halt ein Nobody.

Charly Fliegauf, Manager in Wolfsburg, war während Cortinas DEB-Zeit der Nationalmannschaftsbeauftragte der Liga – und für ihn ist „Pat ein Trainer, von dem ich dachte, dass er mal bei uns funktionieren könnte. Er war schon eine Option nach Pavel Gross, aber das gab die damalige Konstellation nicht her.“ Gross ging 2018 nach Mannheim, Cortina war an Schwenningen gebunden. Wolfsburg erlebte eine Horrorsaison ohne Playoffs. „Jetzt“, kündigt Gerrit Fauser, Stürmer und Olympia-Silbermedaillengewinner 2018 an, „wollen wir vergessen machen, was da alles passiert ist. Wir haben ein brutales Feuer in der Mannschaft.“ Mit dem neuen Trainer liege er „auf einer Wellenlänge“.

Fliegauf sagt über Cortina: „Schwenningen spielte unter ihm strukturiert, doch dann hat er seine Torjäger Acton und Fleury verloren und keinen Ersatz bekommen. Er musste defensiv spielen lassen. Bei uns findet er auch Material für die Offensive vor.“ Cortina coacht nun nicht mehr ein Underdog-Team, sondern eine Mannschaft aus der finanziellen Mittelklasse (abgesichert durch Volkswagen und mit dem Wolfsburger Oberbürgermeister als Vorsitzendem des Aufsichtsrats). Trotzdem bleibe die Arbeitermentalität erhalten. „Und dazu“, so Fliegauf, „passt Pat mit seiner hemdsärmeligen Art. Er ist auch mit der Familie hergezogen, das zeigt, wie sehr er will, dass wir Erfolg haben.“

Aktuell ist Wolfsburg Zehnter. Unscheinbar. Banska-Bystrica-mäßig. GÜNTER KLEIN

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