„Haching ist zwei Jahre weiter als wir“

von Redaktion

Bierofka und Schromm sind heiß auf das Totopokal-Derby im Sechzger-Stadion

VON LUDWIG KRAMMER

München – Der DFB-Pokal 2020/21 als Sehnsuchtsziel. Heute Abend gegen halb zehn wird dieser Traum für einen der Münchner Drittligisten schon wieder ausgeträumt sein. Im Viertelfinale des Totopokals geht es für 1860 und die SpVgg Unterhaching nicht nur um Derby-Prestige, sondern vor allem um handfeste Finanzen. Rund 150 000 Euro schüttet der Deutsche Fußball-Bund alleine für die erste Runde aus – nach oben ist die Skala offen. Mit Geschick und Losglück sei auch ein „Millionenbetrag“ drin, sagt Hachings Trainer Claus Schromm: „Wir sind heiß darauf, uns durchzusetzen.“

Wie heiß die Löwen sind? Im Achtelfinale brauchten die Sechziger gegen Bayernligist 1865 Dachau das Elfmeterschießen zum Weiterkommen, Haching setzte sich in letzter Minute 3:2 gegen Regionalliga-Spitzenreiter Türkgücü durch. Motivationsprobleme sollte es heute Abend auf keiner Seite geben, auch wenn für 1860-Trainer Daniel Bierofka die Punktspiele Priorität besitzen: „Es bringt uns nichts, wenn wir in den DFB-Pokal kommen und in der Liga absteigen.“

Dem lässt sich schwer widersprechen. Ebenso wenig Bierofkas weiteren Sätzen: „Selbst wenn wir weiterkommen sollten, ist es keine Garantie, dass wir das Ding auch gewinnen. Würzburg ist noch dabei – und Pokalschreck Aschaffenburg.“ Die Viktoria wurde den Löwen in der vergangenen Saison zum Verhängnis, als es im Totopokal-Halbfinale ein 2:3 setzte – mit Startelf-Spielern wie Böhnlein und Abruscia. Dieses Mal will Bierofka seine stärkste Elf aufbieten. Änderungen gegenüber dem 1:2 in Würzburg seien jedoch „definitiv“ zu erwarten, so der Trainer. Im Tor dürfte Pokalkeeper Marco Hiller gesetzt sein, wahrscheinlich ist auch die Rückkehr von Phillipp Steinhart. Beim angeschlagenen Efkan Bekiroglu werde sich die Kadernominierung erst am Spieltag entscheiden. „Vielleicht setzen wir ihn auf die Bank“, sagt Bierofka. „Als Waffe für die letzte Viertelstunde.“

Was Tabellenführer Haching den Löwen voraushabe? Bei dieser Frage muss Bierofka nicht lange überlegen: „Die Riesenstärke von Haching ist die Effektivität, das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus. Sie machen die Dinger rein ohne mit der Wimper zu zucken.“

Bierofkas Gesamteinordnung lässt tief blicken: „Wir sind im dritten Jahr seit dem totalen Zusammenbruch, Haching schon im fünften. Sie können in Ruhe arbeiten, ihre Mannschaft aufbauen.“ Beides ist bei den zerstrittenen Sechzigern schwierig bis unmöglich.

Was die Löwen ihren Gästen weiterhin voraushaben, ist der Zuschauerzuspruch. Da Dauerkarten keine Gültigkeit besitzen, ist die Partie im Stadion an der Grünwalder Straße zwar noch nicht ausverkauft, fünfstellig wird die Kulisse bei günstiger Wetterprognose allerdings werden. Für Haching immer noch gewöhnungsbedürftig.     Schromms mahnende Worte: „Wir haben uns den Auftrag gegeben, die Emotionen etwas beiseite zu legen und uns mehr auf den Fußball zu konzentrieren.“ Kein übler Vorsatz. Die Umsetzung ist ab 19.30 Uhr zu besichtigen.

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