Suzuka – Die Wetterprognosen versprechen nichts Gutes – und die Piloten der Formel 1 stellen sich vor dem Großen Preis von Japan angesichts des nahenden Supertaifuns „Hagibis“ schon einmal auf eine mögliche Absage des Qualifyings am Samstag (8.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) ein. „Die Sicherheit hat oberste Priorität, nicht nur für uns, sondern auch für die Zuschauer, die an die Strecke reisen“, sagte Ferrari-Star Sebastian Vettel am Donnerstag in Suzuka: „Ich denke nicht, dass es so gemütlich ist, wenn man bei dem angekündigten Wind und im strömenden Regen auf den Tribünen sitzt.“
Es liege in der Verantwortung der Veranstalter, früh genug eine Entscheidung zu treffen: „Aktuell schaut es so aus, als wäre Samstag der ungemütlichste Tag. Ich denke, nach dem morgigen Tag wissen wir konkreter Bescheid.“
Zweifel an der Umsetzung des ursprünglichen Zeitplans äußerte auch Red-Bull-Star Max Verstappen. „Momentan sieht es nicht gut aus“, sagte er mit Blick auf das Qualifying – und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ich habe mein Schnellboot in Bereitschaft, ich bin also gerüstet.“
Vettels Teamkollege Charles Leclerc meinte, es werde „schwierig, wenn nicht sogar unmöglich“, wie geplant zu fahren. Der Emmericher Nico Hülkenberg sagte: „Wir müssen abwarten und sehen, wie schlimm es wird.“
Der Monstersturm soll am Samstag auf die japanische Hauptinsel Honshu treffen, es wird mit Starkregen und gefährlichen Windstärken gerechnet. Eine Verlegung der Zeitenjagd auf Sonntagmorgen wäre keine Premiere, in Suzuka wurde diese Maßnahme bereits 2004 und 2010 getroffen. Einschränkungen für das Rennen am Sonntag (7.10 Uhr MESZ) soll es offenbar nicht geben.
Ein unnötiges Risiko werden die Verantwortlichen in jedem Fall vermeiden wollen. 2014 verunglückte der Franzose Jules Bianchi beim Regenrennen in Suzuka schwer und erlag im Juli 2015 seinen Verletzungen.
Der Motorsport-Weltverband FIA und die Veranstalter beobachten die Entwicklung des Unwetters genau. Man unternehme alle Anstrengungen, um die Auswirkungen auf den Zeitplan so gering wie möglich zu halten. „Die Sicherheit der Fans, der Fahrer und aller entlang der Strecke hat aber oberste Priorität“, teilte die FIA mit.
Unterdessen nahm Vettel auch zum jüngsten Stallorder-Zoff mit Leclerc in Sotschi Stellung – und gestand seinen Ungehorsam ein. „Das war mit Sicherheit nicht richtig“, sagte der Heppenheimer. Größere Probleme mit Leclerc sieht Vettel aber deshalb nicht. „Das Verhältnis ist nach wie vor so, wie es das ganze Jahr war, und wir kommen gut miteinander aus. Natürlich schenkt man sich auf der Strecke keinen Zentimeter und möchte den anderen schlagen, aber das ist kein besonderes Verhältnis zwischen mir und ihm“, sagte der viermalige Weltmeister – und fügte hinzu: „Es ist generell alles klar, und natürlich redet man miteinander.“
Der 32-jährige Vettel hatte sich beim letzten Rennen in Russland einer Ferrari-Teamorder widersetzt und seinen elf Jahre jüngeren Herausforderer Leclerc nach dem Start nicht wieder vorbeigelassen. Wegen eines technischen Defekts schied Vettel dann noch aus. dpa/sid