München – Länderspielpausen sind für Thomas Müller inzwischen ja eigentlich so etwas wie Urlaub daheim. Natürlich, es stehen Trainings an, der tägliche Weg zur Säbener Straße bleibt nicht aus. Wenn aber gleich 15 Profis auf Reisen sind, geht es auf dem Rasen doch etwas ruhiger zu. So ruhig, dass es Müller, nicht gerade für seine Muskelberge bekannt, sogar in den Kraftraum zieht.
Ein Foto, das der 30-Jährige dieser Tage postete, zeigt ihn auf der Hantelbank. Sitzend, mit strengem Blick, vor ihm eine wuchtige Hantel. Das Bild ist übersetzt unterschrieben mit den Worten „Arjen Robben-Workout – bleib fokussiert – pump es auf“. Wer Müller kennt, weiß, dass es mit einem Augenzwinkern zu sehen ist. Und trotzdem passt es ganz gut, dass sich der momentane Reserve-Spieler des FC Bayern so entschlossen zeigt, wie es sein ehemaliger Teamkollege Robben immer tat. Vor allem dann, wenn er seine Leistungen zu wenig gewürdigt sah.
Es gab bei den Bayern selten einen Spieler, der sich bei Auswechslungen so ungerecht behandelt fühlte wie Robben, Müller verhält sich da trotz zuletzt fünf Spielen ohne Startelfeinsatz vergleichsweise verhalten. Freilich schmeckt ihm die Situation nicht, aber – glaubt man Karl-Heinz Rummenigge – ist das „Verhältnis zwischen Thomas und dem FC Bayern total intakt. Er wird ein wichtiger Bestandteil unseres Clubs bleiben“, versicherte der Vorstandsboss in der „Welt am Sonntag“. Ein klärendes Gespräch zwischen Müller und Trainer Niko Kovac habe nach dessen von Rummenigge als „unglücklich“ bezeichneten Aussage („wird spielen, wenn Not am Mann ist“) bereits stattgefunden. Rummenigge: „Ich glaube, Thomas ist nicht nachtragend. Und natürlich ist er kein Notnagel.“
Müller selbst hatte die Geschichte bereits unter der Woche als „ausgeräumt“ bezeichnet, aber auch davon gesprochen, sich Gedanken über einen Wechsel zu machen. Rummenigge hingegen kann sich „beim besten Willen nicht vorstellen“, dass der Offensiv-Allrounder im Winter um die Freigabe bitten werde. Mit seiner Rolle gehe er „vorbildlich um. Wenn Thomas zufrieden auf der Bank sitzen würde, wäre er im falschen Verein.“
Seit knapp 20 Jahren spielt Müller bei Bayern. Meist hat sich ein (Stamm-)Platz für ihn gefunden, im Moment jedoch kommt er an Philippe Coutinho nicht vorbei. Rummenigge bezeichnete es als „absurd, dass wir im Sommer phasenweise für ausbleibende Transfers kritisiert wurden. Jetzt haben wir einen tollen Kader, und unser Trainer wird kritisiert.“ Für die Kaderzusammenstellung lobte der Bayern-Boss Hasan Salihamidzic „Er macht seinen Job gut und ich wünsche mir, dass sein im Sommer auslaufender Vertrag verlängert wird.“ Ob nicht nur als Sportdirektor, sondern als Sportvorstand, müsse der Aufsichtsrat entscheiden: „Ich würde es begrüßen.“
Das Verhältnis zu Salihamidzic sei „harmonisch, loyal und gut“. Also ungefähr so wie jenes zu Müller. Und wie jenes zu Robben immer war.