Der Spion und der Tunnel

von Redaktion

BASKETBALL Bayern-Sieg in BBL – Heute Pokal

München – Es gab am Samstagabend zwei kleine Höhepunkte in der Münchner Basketballhalle: einen spielerischen und einen emotionalen. Und zweimal waren Profis des FC Bayern in der Hauptrolle, die man vorher nicht vermutet hätte.

Der emotionale Höhepunkt zuerst: Vor der Halbzeitpause – die Schiedsrichter schauten sich gerade eine strittige Szene in der Videowiederholung an – scharten sich die Braunschweiger, der dritte Bundesligagegner der Bayern in dieser Saison, auf dem Feld um ihren Trainer. Da stellte sich Petteri Koponen, der clevere, aber eher ruhige Finne, frech dazu, um zu erlauschen, was die Braunschweiger denn planen. Und als diese den Spion entdeckten, schubsten sie ihn weg – bis auf einmal mehrere Spieler beider Mannschaften da waren, die sich schubsten. Die Schiedsrichter verteilten technische Fouls, unter anderem an Koponen. Im dritten Viertel erwischten sie ihn erneut: Als Koponen einmal taktisch foulte, gab es dafür ein unsportliches Foul – und zusammengerechnet mit dem technischen Foul eine Spieldisqualifikation.

Jetzt zum spielerischen Höhepunkt: Im zweiten Viertel fing Leon Radosevic, 2,08 Meter groß, eher ein Mann fürs Grobe, den Ball außerhalb der Dreipunktelinie. Dort fühlt er sich eigentlich nicht wohl, er dribbelt dafür nicht geschickt und wirft nicht präzise genug. Nun hatte er aber derart viel Platz, dass er einfach mal losdribbelte. Und als der Braunschweiger Joseph Lawson III, 2,01 Meter groß, sich auf halbem Weg zum Korb breitbeinig vor ihm aufbaute, fiel Radosevic plötzlich etwas Geniales ein: Er passte den Ball als Aufsetzer zwischen Lawsons Beinen hindurch zu seinem Mitspieler Danilo Barthel, der ihn nur noch in den Korb legen musste. So einen „Tunnel“ traute man Radosevic gar nicht zu.

Es gab am Samstagabend also diese zwei kleinen Höhepunkte – und am Ende ein Ergebnis, das nicht überraschte: Der FC Bayern besiegte die Braunschweiger Löwen 75:62 (43:29). „Man durfte ja nichts Schönes erwarten“, sagte Vladimir Lucic hinterher und bezog sich freilich auf die anstrengende Euroleague-Reise nach Moskau, wo die Bayern erst am Donnerstabend verloren hatten. Gegen die Braunschweiger war es aber trotzdem nicht knapp. Und es wäre noch weniger knapp geworden, wenn Lucic nicht jeden seiner sechs Dreipunkteversuche verfehlt hätte. „Ich werfe in dieser Saison bisher schrecklich“, sagte er und fügte sofort an: „Das wird schon noch besser. Ich hoffe spätestens dann, wenn es wichtig wird.“

Heute Abend also. Im Achtelfinale des deutschen Pokals erwarten die Bayern die Baskets aus Bonn (20.30 Uhr). Und da gilt nun einmal: Wer verliert, scheidet aus.  cfm

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