Historischer Doppelschlag auf Hawaii

von Redaktion

Frodeno und Haug triumphieren bei Ironman-WM – Kienle Dritter – Lange muss aufgeben

Kailua-Kona – Ihren historischen WM-Doppelschlag feierten Jan Frodeno und Anne Haug ohne Rücksicht auf Verluste. Mit dem Siegerkranz auf dem Kopf spritzten die beiden Ironman-Helden völlig hemmungslos den Champagner in die hawaiianische Mittagsluft, das Ausmaß ihrer Erfolge wurde dem Duo spätestens in diesem unbeschwerten Moment bewusst. „Einfach fantastisch“ fühlte sich Haug nach dem ersten deutschen Zweifach-Triumph im Südsee-Paradies. Der 38-jährige Frodeno sprach vom „vielleicht schönsten Sieg“ seiner Karriere.

Der ausgelassene Jubel und die ansteckende Freude waren zweifellos berechtigt, schließlich hatten der Superstar der Szene und die üblicherweise zurückhaltende Außenseiterin für den erfolgreichsten Tag der deutschen Triathlon-Geschichte gesorgt. „Das war der Tag, den ich meine gesamte Karriere lang gesucht habe“, erklärte Frodeno, der bereits 2015 und 2016 auf Hawaii gesiegt hatte. Er sagte das nicht nur wegen des unerwarteten Paukenschlags von Haug.

Mit einem perfekten Rennen hatte der 38-Jährige jene schwarz-rot-goldene Erfolgsserie fortgesetzt, die auch Haug inspiriert hatte. „Ich dachte, dass wir Frauen das sicherlich auch können, und wollte es den Jungs nachmachen“, erklärte sie. Frodenos Triumph besaß trotzdem noch eine andere Qualität.

Als erster Deutscher krönte er sich nämlich zum dreimaligen Weltmeister. Ganz nebenbei krallte sich der Kölner in 7:51:13 Stunden auch noch den Streckenrekord des entthronten Titelverteidigers Patrick Lange, dessen vorzeitiger K.o. etwas in den Hintergrund rückte. Nach Fieber in der kurzen Nacht vor dem Rennen hatte Lange um 6.25 Uhr noch Entwarnung gegeben und war an den Start gegangen. Doch nach einer guten Stunde auf dem Rad klagte der 33-Jährige über Schwindelanfälle – und musste aufgeben. Lange sei schwarz vor Augen gewesen, berichtete sein Manager Jan Sibbersen später.

Frodeno bedauerte den Ausfall des großen Rivalen. „Ich war ein bisschen frustriert, als ich gehört hab, dass Patrick ausgestiegen ist. „Ich hatte ihn dann nur noch virtuell als Gegner“, sagte der Triumphator nach dem Rennen.

„Jan war wieder in einer eigenen Welt. Ich habe keine Ahnung, wo er die Abkürzung genommen hat“, sagte der hinter Timothy O’Donnell) drittplatzierte Sebastian Kienle, der 2014 die deutsche Serie mit seinem Sieg eröffnet hatte. Der zuletzt zweimal erfolgreiche Lange gratulierte Frodeno zu einer „unglaublichen Leistung“.

Die lieferte über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen auch Haug ab. Vor allem im abschließenden Marathon glänzte die 36-jährige Fränkin, die im Vorjahr als Dritte schon ein vielversprechendes WM-Debüt hingelegt hatte. „Wie in Trance“, sagte Haug, sei sie mit raumgreifenden Schritten über den Asphalt geflogen: „Der gesamte Lauf war großartig.“

Anne Haug bedankte sich bei ihrem Trainer Dan Lorang, der auch Frodeno betreut, und nannte bescheiden „viel Glück“ als weiteren Garanten für ihren Coup. Ob die zuletzt viermal erfolgreiche Schweizerin Daniela Ryf in Bestform gegen Haug die Oberhand behalten hätte, sei allerdings dahingestellt.

Die Deutsche vollzog am Samstag nämlich den nächsten Schritt einer atemberaubenden Entwicklung. Schon mit dem deutschen Rekord beim Ironman in Dänemark Mitte August hatte Haug aufhorchen lassen. Weitere WM-Siege sind für sie seit Samstag nun keine Utopie mehr. Und verstecken kann sie sich nach ihrem Triumph mit der drittbesten Zeit, die jemals von einer Frau auf Hawaii erzielt wurde (8:40:10 Stunden), ohnehin nicht mehr.  sid/dpa

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