DFB-Team ohne Mannschaftsrat

Die Hierarchie ist zu flach

von Redaktion

MANUEL BONKE

Es war im April 2009, als ein junger Wilder im DFB-Dress dem damaligen Kapitän der Nationalmannschaft die Autorität auf dem Platz untergrub: Lukas Podolski, damals 23, verpasste Michael Ballack, damals 32, im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales eine Watschn. Der Aufschrei war groß: Wie kann ein Jungspund dem Spielführer so respektlos gegenübertreten?

Während Poldi gewohnt unbekümmert weitermachte, leitete die Watschn langsam aber sicher das Ende des „Capitano“ Ballack ein. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika fehlte der Mittelfeldspieler verletzungsbedingt, Philipp Lahm übernahm das Kapitänsamt in Folge dessen und gab es bekanntlich bis zum WM-Triumph 2014 in Brasilien nicht mehr her. Ballack war somit der letzte autoritäre DFB-Kapitän. Lahm setzte bei der Ausübung des Spielführeramts bekanntlich auf flache Hierarchien und traf Entscheidungen stets gemeinsam mit einem starken Mannschaftsrat in wechselnder Besetzung. Meistens standen ihm Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger, Abwehrchef Per Mertesacker und Stürmer Miroslav Klose zur Seite.

Dieses Modell wurde bis zur Ausbootung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng beim DFB weitergeführt. Damit ist jetzt aber Schluss, wie die „Sportbild“ berichtet. Die Nationalelf verzichtet im Rahmen des Umbruchs komplett auf einen Mannschaftsrat und setzt damit auf noch flachere Hierarchien. Wichtige Themen sollen von Projekt-Gruppen im Vorfeld besprochen werden. Das klingt stark nach einem DAX-Unternehmen und weniger nach einer Fußballmannschaft. Gerade die vergangenen beiden Länderspiele haben gezeigt, dass die junge Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw eine starke Schulter einer Führungspersönlichkeit braucht, an die sie sich lehnen kann.

Gegen Argentinien verspielte sie eine 2:0-Führung, in Estland wirkte das Team nach der frühen Roten Karte von Emre Can völlig verunsichert. Gerade auf dem Platz braucht die Nationalelf nach dem Umbruch mehr denn je einen Feldspieler als Leitwolf. Jemanden, der im richtigen Moment die Grätsche auspackt oder sich mit dem Schiedsrichter anlegt, um seine Mitspieler wachzurütteln. Wenn derjenige eine offizielle Autoritätsperson ist, beispielsweise als Mitglied des Mannschaftsrats, verleiht das solchen Aktionen schlichtweg mehr Gewicht.

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