Dritte Liga statt Bernabéu

von Redaktion

Real und Barça setzen auf den Nachwuchs – bei Bayern kommen Davies und Co. nicht zum Zug

VON JOSÉ CARLOS MENZEL LOPEZ

München – Barça und Real haben es verstanden: Bei den derzeitigen Mondpreisen auf dem Transfermarkt lohnt es sich nicht mehr, sein Geld für fertige Stars auszugeben. Investiert wird in Top-Talente, wie den 17-jährigen Ex-Hachinger Karim Adeyemi, der auf Barças Einkaufsliste steht (wir berichteten). Spieler wie Adeyemi sind vergleichsweise billig zu haben, entwickeln sich in den meisten Fällen noch weiter und halten im Verkaufsfall attraktive Renditen parat. Jüngstes Beispiel: Ansu Fati. Das 16 Jahre alte Supertalent aus Guinea stellt in Barcelona bereits Stammelfansprüche und wurde nun für die spanische Nationalelf auch noch im Expressverfahren eingebürgert.

Auch die Bayern haben erkannt, dass der Markt von Jahr zu Jahr teurer wird und legen ihr Augenmerk nun verstärkt auf junges Blut – wenngleich der Erfolg dieser Strategie im Vergleich zu Clubs wie Barça oder Real noch überschaubar ist. Wenn Spieler wie Alphonso Davies für Schlagzeilen sorgen, dann meist im Dress ihrer Nationalteams. Der 18 Jahre alte Kanadier schoss am Dienstag das erste Tor beim 2:0-Erfolg gegen die USA. In der Bundesliga kommt er (98 Minuten Einsatzzeit diese Saison) – so wie auch Lars-Lukas Mai (0) Fiete Arp (0) auch – nur selten zum Zug. Die Bayern setzen derweil auf Spielzeit in der 3. Liga bei den „Amateuren“. Dort stehen die Nachwuchstalente des Rekordmeisters regelmäßig auf dem Rasen, um in Ruhe zu reifen.

„Für uns ist es wichtig, dass sie mit einer gewissen Kontinuität spielen. Nur so können sie sich entwickeln“, sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Diese Strategie geht aber nur bedingt auf, schließlich ist das Niveau in der 3. Liga nicht mit dem der Bundesliga oder der Königsklasse zu vergleichen. Dass David Alaba 2011 das letzte Eigengewächs war, das sich oben etabliert hat, spricht für sich. Bei der internationalen Konkurrenz sieht es da schon anders aus. Real Madrid hat zwar immer noch über 100 Millionen Euro für Eden Hazard übrig, der Kern der Transferstrategie ist aber schon seit geraumer Zeit auf Teenager ausgerichtet.

So kommen Kicker wie Vinicius Jr., 19, Rodrygo, 18, oder Federico Valverde, 21, schon jetzt im Bernabéu zum Zug. Und wer noch nicht reif für das weiße Ballett ist, muss eben nicht bei den Amateuren in der dritten spanischen Liga ran – sondern wird an Erstligisten verliehen. Auch beim Blick auf die 20 verbliebenen Aspiranten auf den Golden-Boy-Preis 2019, der den besten U 21-Spieler Europas auszeichnet, wird klar: Kicker wie Jadon Sancho, Joao Felix oder Matthijs de Ligt sind absolute Stammspieler – nur der Münchner Davies kommt verstärkt bei den Amateuren zum Einsatz.

Übrigens: Vor drei Jahren wurde ein gewisser Renato Sanches zum Goldburschen gekürt. Auch er galt als der Überflieger, stürzte dann aber böse ab – beim FC Bayern.

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