München – Im Februar wird Reiner Maurer 60 Jahre alt. Schon als Spieler war der gebürtige Allgäuer sechs Jahre lang für den TSV 1860 aufgelaufen, als Trainer betreute er die Löwen sogar zweimal. Auch in Griechenland und Thailand machte Maurer Station. Eine Partie in der viertklassigen Regionalliga Bayern vermag den Routinier nicht aus der Ruhe zu bringen. Selbst, wenn es das Spitzenspiel ist. Seit diesem Sommer ist Maurer Trainer des ambitionierten Aufsteigers Türkgücü München, am Montagabend (20.15 Uhr, live auf Sport1) gastiert er als Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung bei Verfolger Schweinfurt 05. Nur der Meister steigt am Ende in die Dritte Liga auf.
Herr Maurer, Ihre Mannschaft ist Tabellenführer und gewann zuletzt viermal in Serie, Schweinfurt dagegen hat die drei letzten Spiele verloren. Trotzdem erklärten Sie die „Schnüdel“ zum Favoriten.
Dass man nach drei Niederlagen nicht vor Selbstvertrauen strotzt, ist normal. Aber die Schweinfurter haben eine sehr gute Mannschaft, nicht umsonst sind sie der Topfavorit der Liga. Zudem spielen sie zu Hause, das wird sie sicher beflügeln, weswegen das eine sehr schwere Aufgabe für uns wird.
Die letzten Ergebnisse und die Tabelle ergeben ein anderes Bild.
Es waren nur die letzten drei Spiele, in denen es nicht so gelaufen ist. Auch die Spielverläufe waren gegen sie. Zuletzt in Bayreuth fehlte ihnen auch noch mit Sascha Korb ihr zweitbester Spieler nach Adam Jabiri wegen einer Sperre. Und derjenige, der ihn vertreten hat (Aaron Frimpong Manu, die Red.), fabrizierte dann auch noch ein ziemlich unglückliches Eigentor.
Nach Ihren Erkenntnissen aus dem Videostudium ist Schweinfurt tatsächlich favorisiert? Oder ist nicht doch eher eine Partie auf Augenhöhe zu erwarten?
Doch, natürlich sehen wir uns auf Augenhöhe mit Schweinfurt. Auch, weil wir momentan die meisten Spieler an Bord haben. Schweinfurt hat ein sehr starkes Mittelfeld, wir aber auch. Vorne haben sie mit Jabiri den Toptorjäger der Liga. Der kann mit seinen 35 Jahren nicht mehr rauf und runter laufen, er führt aber nicht umsonst die Torjägerliste an und legt auch gut auf seine Mitspieler ab.
Bei Ihrer Mannschaft lief es zuletzt wie geschmiert. Hatten Sie erwartet, dass sich das neu zusammen-gestellte Team so schnell findet?
Grundsätzlich haben wir uns die 34 Punkte nach 15 Spielen redlich verdient. Wir haben aber auch schon drei Spiele verloren und bei dem ein oder anderen Sieg Glück gehabt. Das zeichnet ein Spitzenteam zwar aus, auch mal ein schlechtes Spiel zu gewinnen, sollte aber die Ausnahme sein. Luft nach oben haben wir auf jeden Fall noch.
In den vergangenen neun Spielen kassierte Ihre Mannschaft nur vier Gegentore. Wird es auch in Schweinfurt vor allem auf die Defensive ankommen?
Auch in der Luft waren wir zuletzt sehr stark. Auswärts in Schweinfurt zu null zu spielen, wird aber mehr als schwer. Viel dürfen wir da nicht zulassen.
Mit einem Sieg wären Sie vorzeitig Herbstmeister und hätten schon sechs Punkte Vorsprung. Könnte man in diesem Fall von einer Vorentscheidung sprechen?
Auf keinen Fall. Danach sind es immer noch 18 Spiele, in denen viel passieren kann. Und es kommt noch die lange, dreimonatige Winterpause auf uns zu.
Interview: Matthias Horner