Angeschlagener FC Bayern

Endspiele für Niko Kovac

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Vor drei Wochen schien die Bayern-Welt noch in Ordnung. Man wirkte sogar gerüstet für die Rückkehr auf den europäischen Fußball-Thron. Das 7:2 gegen Tottenham wurde als Kampfansage an die Liverpools und Barcelonas dieser Welt gewertet. 20 Tage später muss man nüchtern konstatieren: Der Auftritt in London war keine Kampfansage – sondern ein Ausrutscher nach oben.

Das konstantere Gesicht des deutschen Rekordmeisters zeigte sich in Augsburg. Die Mannschaft von Niko Kovac schafft es nicht, über 90 Minuten gegen einen Abstiegskandidaten so dominant aufzutreten, dass sich die Frage nach dem Sieger für neutrale Beobachter nicht stellt. Ähnlich liefen die Bundesliga-Auftritte gegen Hertha BSC, Köln, Paderborn oder Hoffenheim. Allesamt keine Schwergewichte der Liga. Die einstige Bayern-Dominanz ist passé.

Auf Niko Kovac kommen stürmische Tage zu. Mit Piräus in der Champions League und Union Berlin in der Bundesliga warten wieder zwei Gegner aus der Kategorie „Pflichtsieg“. Gelingen seiner Mannschaft nicht zwei überzeugende Siege, könnte der Zorn der Bayern-Bosse ihn schneller als gedacht aus dem Amt pusten.

Kovac muss möglichst schnell die Rotation in den Griff bekommen. Bis heute schafft es der Kroate nicht, jedem Spieler das Gefühl zu vermitteln, wichtig für ihn und den Erfolg des Teams zu sein. Besonders deutlich wurde diese Schwäche nach eben jenem überragenden Tottenham-Triumph. Wie einfach wäre es gewesen, den Helden aus London eine Pause zu gönnen und Spielern wie Thomas Müller gegen Hoffenheim zu vertrauen. Doch Kovac denkt in solchen Momenten noch wie ein Spieler, der immer auflaufen will, und stellte die fast identische Mannschaft in der Bundesliga wieder auf.

Natürlich muss ein Bayern-Trainer taktisch und in der Trainingssteuerung überzeugen. Aber das Moderieren eines Kaders aus zwanzig Superstars ist genauso entscheidend für das Jobprofil. So sagte Uli Hoeneß vor der Saison, dass die größere Aufgabe für den Verein sei, „zu viele und nicht zu wenige gute Spieler“ zu haben.

Wenn Niko Kovac Hilfe im Umgang mit schwierigen Fälle braucht, sollte er sich die Nummer von Jupp Heynckes besorgen. Uli Hoeneß hat sie mit Sicherheit für alle Fälle noch gespeichert.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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