VORBEREITUNG
Fußballer verbringen viel Zeit in Hotels. Nicht nur, wenn sie auf Reisen sind, sondern auch vor Heimspielen. Es ist eine tief in dieser Sportart verwurzelte Philosophie, dass die Vorbereitung dann am besten ist, wenn es keine Ablenkungen für den Spieler gibt. Darum beziehen Mannschaften auch in der eigenen Stadt am Vorabend des Spiels Quartier.
In Augsburg wurde nun von dieser ehernen Regel abgewichen. Motto: „Wenn es nicht läuft, muss man was anders machen“, so Offensivspieler Marco Richter. Er und seine Kollegen wurden von Trainer Martin Schmidt überrascht. Der Schweizer stellte jedem frei, ob er im stadionnahen Teamhotel oder daheim nächtigen möge. Richter entschied sich fürs Zuhause – schon weil sein Vater Geburtstag hatte. Er feierte am Freitagabend mit, am Samstag schoss er nach einer halben Minute hellwach das 1:0 gegen die Bayern.
Alfred Finnbogason erzielte als Joker den 2:2-Ausgleich. Er war der einzige FCA-Spieler im Hotel gewesen – und fast so alleine wie Jack Nicholson in „Shining“. Finnbogason hatte zunächst auch geplant, in der eigenen Wohnung zu schlafen, er hat ein Gästezimmer. „Doch wir haben gerade Besuch, das Zimmer war belegt, außerdem haben wir zwei kleine Kinder, man weiß dann nie, wie die Nacht sein wird.“ Dass er traf, sprach also fürs Modell Hotel. Endergebnis Heim- gegen Hotelschläfer 1:1.
MOTIVATION
Felix Magath – die Älteren werden sich an ihn erinnern – wurde in der Zeit seiner Spieler- und Trainerkarriere sechsmal Vater. Er hat es selbst mal erzählt, dass die Frau(en) Magath in fünf Fällen das Kind per Kaiserschnitt zur Welt brachten. So hat man die Termingestaltung selbst in der Hand. Magath wollte nie unbeholfen in einem Kreißsaal herumstehen, wenn er auf dem Spielfeld oder der Trainerbank gefordert gewesen wäre.
Wenn Fußballer heutzutage Väter werden, lassen sie das die Welt gerne wissen. Der Klassiker ist der Baby- und Schnullerdaumenjubel des Torschützen. Für einen Torhüter ist es schwieriger, auf sich aufmerksam zu machen. Für Frederik Rönnow von der Frankfurter Eintracht ohnehin, denn vor ein paar Monaten und der ersten Ultraschallgewissheit saß er immer nur auf der Bank, weil Kevin Trapp spielte. Der ist nun verletzt und Rönnow die Nummer eins. Unverzichtbar – weswegen der Verein unter Spannung stand: Wann wird entbunden? Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr war es soweit, dem Dänen fehlte also eine komplette Nacht Schlaf, und das einen Tag vor dem Spiel gegen Leverkusen. Trainieren konnte Rönnow unter diesen Umständen auch nicht; Trainer Adi Hütter musste schon überlegen: Ihn überhaupt aufstellen?
Er tat es – und es war richtig: Rönnow machte das Spiel seines Lebens, wehrte 17 Bayer-Schüsse ab. Legal glückshormongedopt. Also: Sollen frischgebackene Väter spielen? Klar: Immer.
Torjäger
Die Torjägerliste der Bundesliga liest sich vertraut – zunächst. Lewandowski, Werner, Paco Alcacer, Reus – klar. Doch dann: Rouwen Hennings. Wer?
Rouwen Hennings spielt bei Fortuna Düsseldorf und ist ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass Stürmer sich oft anders entwickeln. Manchmal erlangen sie ihre Blüte spät. Wie Hennings, der bereits 32 ist.
Vor sieben Jahren war er in die 3. Liga ausgeliehen. vor zwei Jahren wurde sein Vertrag beim FC Burnley in der 2. englischen Liga aufgelöst. Er wechselte zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, das damals schon ein bisschen was von Seniorenheim hatte. Mit Friedhelm Funkel als ältestem Trainer im deutschen Profifußball, mit Oliver Fink (jetzt 37). Diese Saison, die zweite in der Bundesliga, hat Hennings fünf Tore geschossen, am Samstag den 1:0-Sieg über Mainz sichergestellt. Seine sieben Treffer aus dem Vorjahr wird er wohl überbieten. Der Lohn: Fortuna-Sportdirektor Lutz Pfannenstiel winkt mit neuem Vertrag.
Grippaler Infekt
Mit der Mentalitätsfrage war Borussia Dortmund diesmal nicht konfrontiert. Trainer Lucien Favre ließ seine Mannschaft einfach nur 1:0 führen, so bestand keine Gefahr, dass es wieder 2:2 ausgeht. Der BVB feierte auf seinem Twitter-Kanal anschließend den Siegtorschützen Marco Reus: „Trotz eines grippalen Infekts hat sich unser Kapitän in den Dienst der Mannschaft gestellt.“
Selbst BVB-Fans kritisierten diese Verehrung für ein medizinisch fahrlässiges Vergehen. Hochleistungssport in geschwächtem Zustand kann aufs Herz gehen. Mario Götze übrigens stand wegen eines Infekts nicht im Kader, war vernünftiger, steht aber als einer da, der nicht alles gibt. Eigentor, BVB. 1:1 gespielt. GÜNTER KLEIN