Augsburg – Spätestens am Samstag in Augsburg registrierte auch der letzte Niko-Kovac-Anhänger, dass Thomas Müller für den Bayern-Trainer keine Personalie wie jede andere ist – und das gleich doppelt: Im „stadionkurier“des FCA war ein Porträt über den Stürmer mit der Überschrift „Ur-Bayer und Identifikationsfigur“ betitelt. Und als Müller in der 80. Minute ins Spiel kam, dabei eine halbe Stadionrunde hinlegen musste, applaudierten selbst die FCA-Fans dem Weltmeister von 2014. Für Müller müssen diese Meter bis zum vierten Offiziellen aufmunternd wie demütigend gewesen sein. Mitleid ist das Letzte, was ein Profi-Sportler von Fans ernten möchte. Zum sechsen Mal in Folge fand sich der 30-Jährige auf der Bank wieder. So oft am Stück musste Müller noch nie den Spielbeginn vom Seitenrand verfolgen. Nach seiner späten Einwechslung versäumte es der Edel-Joker, Pluspunkte zu sammeln.
Kurz vor dem Spielende versemmelte Müller freistehend vor Gäste-Keeper Tomas Koubek die Vorentscheidung zum 3:1. Den restlichen Müller-Auftritt wollte sein Trainer nicht bewerten: „Andere haben auch große Chancen vergeben und wie soll man eine Leistung über zehn Minuten bewerten?“ fragte Kovac rhetorisch-bissig. Seine Einschätzung der Großwetterlage um Thomas Müller vollzog er früher: Anstatt Müller spielte ein sichtlich erschöpfter Philippe Coutinho, der mit der brasilianischen Nationalmannschaft in Singapur unterwegs war und in Augsburg an den FC Barcelona-Coutinho erinnerte.
Im Laufe der letzten Trainingswoche relativierte Kovac zwar seinen „Notnagel“-Stempel für den Ur-Bayer als einen „Fehler“. Aber dass Niko Kovac selbst einem erschöpften und überspielten Coutinho mehr zutraut als einem ausgeruhten Thomas Müller, sagt mehr als tausend Worte. DANIEL MÜKSCH