München – Katastrophe, Drama, herber Schlag: Die Wortwahl der Bayern-Bosse nach dem Kreuzbandanriss von Abwehrchef Niklas Süle ist drastisch. Vor allem Uli Hoeneß macht sich keine Illusionen, dass für Süle die Saison und die Europameisterschaft in rund acht Monaten gelaufen sind. „Das ist eine totale Katastrophe. So wie es ausschaut, ist die Saison beendet. Die EM ist ad acta gelegt, die können sie total vergessen. Er muss sich darauf konzentrieren, wieder richtig gesund zu werden. Und alles andere ist doch Käse. Er muss zur neuen Saison wieder fit werden. Das ist ein Drama, diese Verletzung“ so Hoeneß.
Sportdirektor Hasan Salihamidzic erklärte: „Das ist ein herber Schlag für uns. Die Operation ist sehr, sehr gut verlaufen. Ich habe mit Niklas davor, auch danach und mit dem Arzt (Prof. Dr. Christian Fink, Anm. d. Red.) gesprochen. Er wird viel arbeiten müssen. Aber er ist ein super Junge, der eine klasse Einstellung hat. Er wird wieder gesund und für den FC Bayern spielen.“
Doch bis es so weit ist, vergeht noch viel Zeit. Einen Transfer im Winter für die Abwehr schließen sowohl Salihamidzic als auch Hoeneß aus. Heißt im Umkehrschluss auch: Jerome Boateng wird die Saison in München beenden müssen und darf sich trotz seines Berater-Wechsels zwischen den Jahren keinen neuen Verein suchen. Die Frage nach der künftigen Besetzung der Innenverteidigung beantwortete der Sportdirektor so: „Wir sind gut besetzt, werden das versuchen zu kompensieren. Wir haben sehr gute Spieler verpflichtet (Lucas Hernández und Benjamin Pavard, Anm. d. Red.). Jetzt sind andere gefragt.“
Auch Jogi Löw musst sich in der Nationalmannschaft die Frage nach einem Ersatz stellen, die Rufe nach Mats Hummels werden immer lauter. Trainer Niko Kovac muss in seiner taktischen Ausrichtung eine Grundsatz-Entscheidung treffen: Lässt er Joshua Kimmich weiterhin als Sechser spielen oder zieht er ihn wieder auf die Rechtsverteidigerposition zurück? Sollte Kimmich hinten ran müssen, heißt das neue Duo in der Innenverteidigung wohl Lucas Hernandez und Benjamin Pavard. Bleibt Kimmich im Mittelfeld, rutscht Pavard nach rechts und Boateng darf sich wieder beim deutschen Rekordmeister beweisen.
Chancen auf regelmäßige Profi-Einsätze kann sich auch Nachwuchsmann Lars-Lukas Mai machen, der seinen Vertrag jüngst bis 2022 verlängerte und den Salihamidzic als eines der größten Talente in München bezeichnet.
Im Champions-League-Kader gegen Piräus steht der Youngster allerdings nicht, weil er sich seit der Länderspielpause mit Blessuren plagt. Auf Youngster Mai abgesprochen, meinte Hoeneß: „Wir haben in der Nachwuchsarbeit einen richtigen Sprung nach vorne gemacht. Wir haben zwei, drei Spieler im Auge, von denen man die Hoffnung hat, dass sie in zwei, drei Jahren im Kader der ersten Mannschaft sein werden.“ Als letztes gelang dies David Alaba. Acht Jahre ist das mittlerweile her.