Der Kampf um Los Angeles

von Redaktion

BASKETBALL Mit Lakers und Clippers starten zwei Lokalrivalen mit Titelchancen in NBA-Saison

VON ANDREAS MAYR UND MORITZ PATZELT

Los Angeles – Es sind schon wieder fünf Jahre vergangen, seit die NBA ihren gefährlichsten Parasiten beseitigt hat. Mir seinen rassistischen Äußerungen überraschte Donald Sterling, damals Besitzer der Los Angeles Clippers, nun zwar wirklich niemanden. Die ganze Liga wusste, dass er schon immer etwas gegen Afroamerikaner hatte. Man staunte aber über seinen Leichtsinn, den Hass auf dem Tonband seiner Geliebten abzusondern. Der Sportkanal ESPN hat nun zur Erinnerung an das Ende der 33-jährigen Tyrannei ein Hörbuch produziert. Sterlings Frau Shelly, die zigfach Betrogene, nimmt die Hauptrolle ein. Sie erzählt dabei etwa, wie sich in den Tagen nach dem Skandal früh morgens ein Mann mit dem Namen Ballmer am Telefon vorstellte, der die Clippers für 2 Milliarden Dollar kaufen wollte. Sie fragte eine Bekannte, ob man diesen Ballmer den kennen müsse. Das sei einer der reichsten Menschen der Welt, antwortete die Freundin.

Seit Steve Ballmer 2014 das Wettbieten um das Basketball-Team gewonnen hat, haben die Clippers eine Entwicklung genommen, die davor nie möglich gewesen wäre. Sterling, der Knauserer, scheute jede Ausgabe, wo doch sein chronisch erfolgloses Team auch mit Niederlagen Geld einspielte. Ballmer investiert an allen Ecken und Enden. Was soll er sonst mit seinen 52 Milliarden Dollar anstellen? Im Sommer verstärkte er das Team mit Kawhi Leonard, dem besten Basketballer der Erde, und Paul George – zwei Superstars im NBA-Kosmos. Mit einem Mal konkurrieren die Clippers sportlich mit den Lakers.

Noch nie hat es in der NBA zwei Vereine aus der gleichen Stadt gegeben, die ernsthaft den Titel als Ziel ausgeben. Das Staples Center in Los Angeles, Heimat beider Klubs, hat seinen Status als Thronsaal des Basketball-Universums zurückgewonnen. In der Nacht auf Mittwoch eröffnen die Residenten die neue NBA-Spielzeit. Wer Meister wird? Lässt sich nicht sagen bei gut und gerne sechs Vereinen mit exzellenten Titel-Quoten. Das Stadtduell wird auf jeden Fall zum unterhaltsamen Schauspiel, das die Saison bis zum Ende begleiten dürfte.

Lakers und Clippers waren sich noch nie grün. LA verehrt das Original, die Lakers. Bei Heimspielen versammelten sich schon in den 1980ern die Reichen und Berühmten zum Champagner-Trinken und Cheerleader-Bestaunen. Zu den Clippers, die Sterling erst 1984 von San Diego nach Los Angeles geschmuggelt hatte, ging, wer an keine Karten bei den Lakers kam, aber trotzdem die Stars der Gegner sehen wollte. Die Jugend der Stadt trug Trikots von Magic Johnson, Kobe Bryant, Shaquille O’Neal – im Lila-Gold der Lakers. Die Dressen der Clippers trug – nun ja – so gut wie keiner. Erst in den vergangenen Jahren, die von der Inkompetenz der Lakers-Chefs geprägt waren, entflammte Los Angeles’ Liebe für sein Stiefkind. Seit Ballmer ein Mikrofon wie ein Megafon nutzt, um Transfercoups in die Welt zu brülle, sind die Clippers zum Berlin der NBA geworden: zum Ort der Hipster.

Leonards Ankunft in LA hat Gleichgewicht ins Machtgefüge der Liga gebracht, das Golden State und sein Konglomerat an Talent ins Wanken gebracht hatte. Bis vor kurzem suchte jeder Manager nach dem Bauplan für ein Team mit drei Top-Spielern und mehr. Nun bilden sich allerorts Superstar-Tandems. Leonard und George bei den Clippers, LeBron James und Anthony Davis beim Nachbarn, James Kyrie Irving und Kevin Durant in New York bei den Brooklyn Nets.

Mit seinem Wechsel zu den Clippers hat Leonard Kompetenz über Glamour gewählt und gleichzeitig die Fehde mit dem LA-Rivalen angezettelt. Wie es heißt, habe er die Lakers, die auch um seine Dienste buhlten, lange hingehalten, um ihre weiteren Kaderplanungen zu sabotieren.

Auch Ballmer beteiligte sich bereits am Krieg im Hintergrund. Er plant in Inglewood eine neue 80 000 Quadratmeter große Arena, die pikanterweise in der Nähe des alten Forums entstehen soll – Heimstätte der Lakers zu legendären Showtime-Zeiten der 1980er. Um es in den Worten der Sterlings zu sagen, die ihr Team ironischerweise bei jeder Gelegenheit als „fabulous“ bezeichneten: den Clippers steht eine fabelhafte Zukunft bevor.

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