Donnerstag – der Eishockey-Montag

von Redaktion

Auch in München Spielplan-Proteste – Was die DEL zu den Ansetzungen sagt

VON GÜNTER KLEIN

München – „Donnerstagsspiele abschaffen“ stand auf einem Transparent in der Straubinger Fankurve, als vergangene Woche die phantastische Siegesserie des EHC München am Pulverturm mit einer 1:5-Niederlage zu Ende ging. Es gibt wenig, was die Fanszenen aus Straubing und München verbindet, doch in dieser Thematik scheint Einigkeit gegeben. Auch am Sonntag, als der EHC gegen die Krefeld Pinguine antrat und 2:1 gewann, wurde Protest in Richtung der Deutschen Eishockey-Liga formuliert. Zu Beginn des letzten Drittels sprach die Nordkurve auf mehreren Bannern einige Problematiken an – der Donnerstag ist eine von ihnen.

Der Protest ist nicht so wuchtig wie der im Fußball gegen den Montagstermin – aber er ist sichtbar. Und bei der Liga angekommen. „Wir sind mit den Fanbeauftragten aller Vereine im Dialog“, sagt der für den Spielbetrieb zuständige Jörg von Ameln aus der Neusser DEL-Zentrale. Hoffnungen, dass der Donnerstag als Spieltag abgeschafft wird, kann er aber nicht machen.

Die DEL muss ein Spiel am Donnerstag liefern, das sieht der Vertrag mit der Telekom (MagentaSport) vor, mit dem die Liga und die Clubs ja auch zufrieden sind. Von den Besucherzahlen im Stadion schwächelt der Donnerstag: Er hat keine Tradition, er fühlt sich noch nicht nach Wochenende an, am Freitag müssen die Leute arbeiten gehen. Doch als Fernsehformat ist das vorgezogene Match ein Erfolg. Von Ameln: „Das schauen dreimal so viele Leute an wie ein Spiel am Freitag – denn es ist konkurrenzlos.“ Die Telekom bietet unter dem Motto „First Row“ am Donnerstag auch einige Extras wie die „Cable Guys“, verkabelte Spieler, damit der Zuschauer auch mithören kann. „Und wir kommen mit der Nachberichterstattung vom Donnerstagabend am Freitag in die öffentlich-rechtlichen Morgenmagazine“, nennt von Ameln einen weiteren Vorteil aus Sicht der DEL. Und der Vereine, deren Sponsoren ins Bild gerückt werden.

Jeder der 14 DEL-Clubs ist auch in der Spielplangruppe vertreten. „Wir erstellen ihn mit einem Dienstleister und mit den Vereinen“, sagt Jörg von Ameln. Er steckt mittendrin in der Arbeit am Plan für die Saison 2020/21, „Ende November, Anfang Dezember wird er fertig sein“.

Der Vorlauf kann dann zu Unstimmigkeiten führen. Wie im Fall des Donnerstags vorige Woche. Die Münchner Fans reklamierten, dass ihr Team zwei Tage nach dem Champions-League-Auftritt im schwedischen Karlstad in Straubing auf dem Eis zu stehen hatte. „Vor einem Jahr kannten wir den CHL-Termin noch nicht“, so von Ameln, „die Münchner wollten dann eine Verlegung, aber die andere Seite war nicht einverstanden.“

In der Regel gilt für den Donnerstag das Motto „Freiwillige“ vor. Erst wenn sich keiner zur Vorverlegung bereit erklärt, trifft die DEL eine Festlegung. Von Ameln: „Jeder muss mal ran. München wieder am 31. Oktober in Wolfsburg. Dann schon am frühen Donnerstagnachmittag – was den EHC-Anhang erzürnt. Für ihn ist „werktags 14 Uhr“ ein Unding. Für Wolfsburg ist es ein Toptermin: In Niedersachsen ist der Reformationstag Feiertag.

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