München – Der eine spricht. Der andere schweigt. Die Gefühlslage der Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge könnte nach zwei sieglosen Ligaspielen hintereinander nicht unterschiedlicher sein – zumindest in der Außendarstellung vor dem Abflug zum heutigen Champions-League-Spiel in Piräus (21 Uhr, Sky).
Während sich Rummenigge derzeit laut eigener Aussage ein Schweigegelübde auferlegt hat und damit großen Interpretationsspielraum auch bezüglich der Arbeit von Trainer Niko Kovac lässt, ergriff Hoeneß am Gate des Münchner Flughafen das Wort. „Wir sind einen Punkt hinter dem Ersten. Wollen Sie uns eine Krise einreden?“, sagte der 67-Jährige, der darauf bedacht war, mit seinen Aussagen weitere Unruhe im Verein zu vermeiden.
Freilich dauerte es nicht lange, bis der scheidende Bayern-Präsident nach den Vergleichen zur vergangenen Herbstkrise angesprochen wurde, bei der Kovacs Trainerstuhl ordentlich wackelte. Davon will Hoeneß in diesem Herbst (noch) nichts wissen: „Ich würde mir Sorgen machen, wenn wir keine Chancen hätten. Wenn wir wie in Augsburg Tontauben schießen, dann mach ich mir normalerweise keine Sorgen.“ Die Mannschaft spiele „nicht schlecht“, aber auch „nicht konsequent genug“, bemängelte er, „sie muss geiler sein auf Tore“. Das Verwerten der Chancen sei „eine Frage der Einstellung“, analysierte Hoeneß: Gerade gegen „vermeintlich schwächere Gegner ist die Konzentration der Mannschaft unterentwickelt, aber auch gegen schwächere Teams muss man eben die Punkte holen“.
Und darum stellte Hoeneß energisch klar: „Im Verein ist totale Ruhe. Und deswegen sehe ich da überhaupt kein Problem.“ Stimmt nicht ganz: Nach Informationen unserer Zeitung soll Hoeneß die Art und Weise, wie Kovac aktuell den Konkurrenzkampf moderiert, intern durchaus kritisch sehen. Rückt Hoeneß gar von Kovac ab? Fakt ist: Vergangene Saison musste Kovac noch verdiente Spieler wie Arjen Robben und Franck Ribéry bei Laune halten, was für einen Trainer ohne große Erfahrung im Umgang mit Stars nicht einfach ist. Diese Saison hat er laut eigener Aussage einen Kader beisammen, der leichter zu handeln sei.
Das liegt auch an den Abgängen von meinungsstarken Spielern wie Mats Hummels, Sandro Wagner und James. Durch die Art und Weise wie Kovac jedoch jüngst Thomas Müller und Javi Martinez behandelt, brodelt es aktuell wieder innerhalb der Mannschaft – und das hat der Trainer sich selbst zuzuschreiben. Noch vor wenigen Wochen herrschte eitel Sonnenschein und es wurden Teamabende auf der Wiesn organisiert, Nun soll selbst die Beziehung zu Kovacs Lieblingsschüler Thiago aus zwischenmenschlichen Gründen derzeit zumindest angespannt sein. Das ist auch Hoeneß nicht entgangen, der sich intern der Thematik bereits angenommen und mit den beiden Sorgenkindern Thomas Müller und Javier Martinez das Gespräch gesucht hat.
Bester Beweis für die Hoeneß’sche Spielerfürsorge waren vor allem die gestrigen Aussagen kurz vor dem Abflug des Bayern-Patrons zu Martinez: „Durch die Verletzung von Süle stellt sich die Abwehr mehr oder weniger von selber auf. Die Abwehrproblematik wird sich aus meiner Sicht sowieso von selbst erledigen: Wenn Martinez auf der Sechs spielt, kriegen wir in Zukunft sowieso wieder weniger Gegentore. Letztes Jahr, als er an Weihnachten reinkam, haben wir auch alle Spiele gewonnen“, schwärmte Hoeneß von Martinez. Bei diesen Worten sollte Niko Kovac aufhorchen.
Doch der Bayern-Trainer meinte bei der gestrigen Abschlusspressekonferenz in Griechenland nur: „Javi hat das in Augsburg sehr gut gemacht. Aber auch dort haben wir Gegentore kassiert. Wir können nicht sagen, dass wir keine Gegentreffer kassieren, wenn Javi spielt.“